In den Lippstadter Hella-Werken wird wieder gearbeitet. Doch der wilde Streik, der die Produktion für einige Tage weitgehend stillgelegt hatte, dürfte so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Denn es war ein Ausstand neuer Art: Gastarbeiter lösten ihn aus, weil sie sich gegenüber ihren deutschen Kollegen benachteiligt fühlten.

In Lippstadt bestätigte sich, was bei anderen "spontanen" Aktionen der letzten Wochen bereits vermutet wurde: Die ausländischen Arbeitnehmer sind in vielen Betrieben stark genug geworden, um für ihre Rechte am Arbeitsplatz zu kämpfen. Das ist bestimmt kein Grund, erschrocken auf Abhilfe zu sinnen. Man wird sich daran gewöhnen müssen, daß Ausländer keine Arbeiter zweiter Klasse sind. Mit gutem Recht wehren sie sich gegen eine Diskriminierung – auch bei der Bezahlung.

Noch eines hat der Streik bei den Hella-Werken gezeigt: Die Gewerkschaften kümmern sich zu wenig um die Ausländer. Kein Wunder, daß radikale Gruppen ihr Herz für Gastarbeiter entdecken. Nur wenn Ausländer nicht zu Unterprivilegierten degradiert werden, stehen radikale Weltverbesserer auf verlorenem Posten. Die Gewerkschaften könnten viel zum Arbeitsfrieden in den Betrieben beitragen, wenn sie stärker als bisher auch die Interessen der ausländischen Kollegen vertreten würden. smi