Der regierungsamtliche Jubel über die Baupleiten der vergangenen Wochen kennt anscheinend keine Grenzen; die Hoffnung, bald von neuen Zusammenbrüchen zu hören, ist in Bonn groß. Ganz anders als in den Rezessionsjahren nach 1965, als Meldungen über Pleiten noch als Hiobsbotschaften aufgefaßt wurden – auch von jenen, die sie angeblich gewollt haben –, jubeln nun Zuständige und Beobachter.

Bis zu einem gewissen Grade kann man die Freude verstehen. Signalisieren die Pleiten doch Erfolge der Stabilitätspolitik. Aber andererseits sind gerade Baupleiten nicht unbedenklich. In den Jahren 1966 und 1967 haben mehr als zehn Prozent der dort Beschäftigten, nämlich rund 180 000 Menschen, den Bau verlassen müssen; die Lücke ist bis heute nicht geschlossen worden. Die Folgen der geschrumpften Kapazität bekamen wir 1969/70 zu spüren. Den insgesamt drei Lohnerhöhungen im Jahre 1969 folgte schon 1970 mit 16 Prozent ein geradezu horrender Anstieg der Baukosten. Die Bauwirtschaft wurde, gerade weil sie die vorangegangene Rezession am ärgsten verspürt hat, ein "besonders günstiger Nährboden für den Inflationsbazillus" – so die Bundesbank im vergangenen Herbst.

Das kann sich durchaus wiederholen. Die Konjunkturpolitiker, die jetzt triumphieren, werden vielleicht schon in zwei oder drei Jahren einen neuerlichen Preisboom am Bau beklagen müssen. Was dann? pl