Schneller als geahnt hat die Watergate-Affäre zu jener "fundamentalen Konfrontation zwischen dem Kongreß und dem Präsidenten" geführt, vor der Senator Ervin Präsident Nixon noch vor Bekanntwerden der Abhöreinrichtungen im Weißen Haus gewarnt hatte. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses wollte Nixon damit zur Herausgabe von Dokumenten veranlassen, die den Skandal um den Einbruch im demokratischen Wahlkampf-Hauptquartier und Nixons Rolle darin weiter aufhellen könnten.

Diese Forderung hat der Präsident am Montag nun auch in bezug auf die Tonbänder über seine Gespräche im Weißen Haus zurückgewiesen. Daraufhin haben Ervin und der Sonderstaatsanwalt Cox dem Weißen Haus Einziehungsverfügungen übersandt. Sie wurden gleichzeitig bei einem Distriktgericht hinterlegt, was einer Klage auf Herausgabe gleichkommt. Damit ist der befürchtete Verfassungskonflikt zwischen Legislative und Exekutive ausgebrochen – verstärkt durch die Konfrontation mit der Justiz (vertreten durch Cox).

Nixon, soeben von seiner Lungenentzündung genesen, hatte am Montag an Senator Ervin geschrieben, daß die von ihm noch einmal abgehörten Tonbänder "vollkommen mit dem übereinstimmen, was ich als die Wahrheit ansehe". Aber sie enthielten Kommentare, "die Personen mit unterschiedlichen Gesichtspunkten und Motivationen unvermeidlich auf verschiedene Weise interpretieren würden". Die Bänder, entschied Nixon, würden unter seiner "alleinigen Kontrolle" bleiben. Andernfalls gäbe "es endlose Enthüllungen von privaten Aufzeichnungen des Präsidenten, die in keiner Beziehung zu Watergate stehen". Nixon hob in seinem Brief hervor, er wolle die in Frage stehenden Themen zu gegebener Zeit öffentlich behandeln.

Einem Gerichtsentscheid will der amerikanische Präsident sich aber beugen. Der stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Warren, betonte am Dienstag, zur Zeit werde die rechtliche Lage geprüft, aber: "Der Präsident achtet das Gesetz." Nach Meinung des Justizministers Richardson hat er "wesentliche legale und konstitutionelle Gründe" für seine Weigerung, die Tonbänder herauszugeben.

Am Dienstag bestritt Nixons ehemaliger innenpolitischer Berater John Ehrlichman vor dem Watergate-Ausschuß, etwas zur Vertuschung des Skandals getan zu haben. John Dean habe die Verschleierungsaktion geleitet und bei seinen Aussagen gelogen.