Von Petra Kipphoff

Aus dem Katalog, der zur Ausstellung "Die Künstlergruppe ‚Brücke‘ und der deutscheExpressionismus – Sammlung Buchheim" gehört (sie ist bis zum 30. September im Münchner Lenbach-Palais zu sehen), fällt einem ein blauer Zettel entgegen: "Lothar-Günther Buchheim, Das Boot, Piper" steht da in ziemlich klobiger Schrift und, in etwas bescheideneren Lettern, die Erklärung: "Dies ist die unglaubliche Geschichte eines Unterseeboots und seiner Besatzung – ein Kriegsroman, wie es ihn bisher nicht gab. Mit Melvillescher Besessenheit und Mailerscher Härte entwirft Buchheim..."

Buchheim selber schwört, daß er diesen Werbetext für Buchheim nicht entworfen hat. Das zu glauben fällt deshalb schwer, weil Buchheim alles selber macht (anstatt sich mit unfähigen Autoren herumzuschlagen, schreibt er die Bücher für den Buchheim-Verlag lieber gleich selber, und ehe er viel Geld für einen Gärtner ausgibt, sägt er die abgestorbenen Fichten im Garten im Alleingang ab); und weil Buchheim so ganz unverhohlen und zweifellos zu jenen Menschen gehört, die klotzen, nicht kleckern.

Buchheim, der Piper-Autor von "Das Boot... erscheint im August ’73 ... Dokument und bedeutende literarische Leistung zugleich": das Buch ist 600 Seiten stark, das Manuskript zählte 2000, es ist die siebte Zweitausenderfassung, die der ehemalige Leutnant zur See verfertigt hat. Die Startauflage dieser maritimen Kriegserinnerungen ist 50 000, Übersetzungen ins Englische und Französische sind in Vorbereitung.

Buchheim, der stärkste Autor im Buchheim-Verlag: er schrieb "Die Künstlergemeinschaft ,Brücke‘" (1956); "Der ‚Blaue Reiter‘ und die Neue Künstlervereinigung München" (1959); "Graphik des deutschen Expressionismus" (1959); "Max Beckmann – Leben und Werk" (1959); "Otto Mueller – Leben und Werk" (1963); außerdem noch allerlei "leichtfaßliche Leitfäden" zur besseren Bewältigung des Alltags, darunter, aus gegebenem Anlaß, auch eine Anweisung "Über die Kunst, Witwen zu verbrennen".

Buchheim, der Besitzer jener Sammlung deutscher expressionistischer Kunst, die zur Zeit das reizende Lenbach-Palais schier aus den Angeln zu heben scheint und die die umfassendste, kostbarste Sammlung ihrer Art ist: 123 Gemälde, Aquarelle, farbige Zeichnungen (Katalog I) und 202 weitere Handzeichnungen und Graphiken (Katalog II) sind hier ausgestellt; und das ist durchaus nicht alles, was zur Sammlung Buchheim gehört. Die 50 Probedruck-Blätter von Otto Dix’ Radierwerk "Der Krieg" zum Beispiel konnten aus Platzgründen nicht gehängt werden, und was Kisten und Kasten zu Hause in Feldafing bergen, das weiß nur Buchheim selber ganz genau.

Buchheim, der Sammler überhaupt: das Haus in Feldafing am Starnberger See, das auch gleichzeitig Verlag ist (in dem es aber nur technische Hilfskräfte, keine Mitarbeiter gibt), wird von ihm, seiner Frau und dem Sohn bewohnt. Wenn man durch zwanzig Zimmer hindurchgegangen ist, dann fragt man sich, wo die schmale Familie des breiten Buchheim hier noch Platz findet: zwischen Wänden, die nur noch aus Kunst bestehen; Borden, die sich unter Büchern, thüringischen Porzellanfigürchen und Jugendstilvasen biegen; Kommoden, auf die man nichts stellen kann, weil hier eine Snuffbottle neben der anderen liegt; Tischen, Fensterbänken und Simsen, auf denen Hunderte buntglitzernder Paperweights wie Austernbänke wuchern; Schüben, aus denen japanische Tuschzeichnungen, Lithos von Picasso und was es so an Kunst dazwischen gibt hervorquellen; Karussell-Pferden und Lohengrir-Schwänen vom Rummelplatz. Für diese ständig sich mehrende Menge von Kunst und Krempel hat Buchheim noch ein ausgewachsenes Haus plus Atelierhäuschen dazugekauft, fast nebenan, eine Brücke soll später die Distanz von Grundstück I zu Grundstück II verringern.