• Sie selbst sind Mitglied verschiedener Aufsichtsräte. Was hat Sie zu Ihrer Initiative bewogen?

Van Delden: Die eigentliche Initiative ist von meinem Kollegen Ferdi Breidbach ausgegangen, der an einen alten SPD-Entwurf angeknüpft hat. Er hat sich darüber geärgert, daß die SPD damals eine große Show abgezogen hat und hinterher, als sie an der Macht war, die Sache in der Versenkung verschwinden ließ.

  • Wo liegt eigentlich das öffentliche Interesse daran, den Unternehmen vorzuschreiben, was sie ihren Aufsichtsräten vergüten dürfen?

Van Delden: Die Tantiemen allein sind sicherlich nicht ein so großes öffentliches Interesse. Ich möchte gleichzeitig eines Anstoß geben, daß insgesamt einmal auch auf staatlicher Ebene die zum Teil überhöhten Vergütungen durchleuchtet werden. Das führt doch dazu, daß derjenige, der einmal irgendwo drinsitzt, nicht wieder hinausgeht. Hinzu kommt, daß auch die Parteien Verwaltungsräte besetzen – und zwar oft mit Leuten, die von der Parteiarbeit Abschied nehmen. Dann muß man ihnen noch schnell eine gut dotierte Stelle verschaffen. Das ist eigentlich skandalös.

  • Aber es gibt Aufsichtsräte, etwa in schwachen Unternehmen, die sehr aktiv sind. Andere wieder nicht. Muß man bei den Tantiemen nicht doch differenzieren?

Van Delden: Das ist sicher richtig. Das letzte Wort ist ja unser Entwurf noch nicht. Ich habe auch nichts dagegen, daß der Vorsitzende und seine Stellvertreter das Dreifache bekommen, denn sie leisten die wesentliche Arbeit. Aber darunter hört es dann auf. Und zum Teil sind die Leute physisch überfordert. Wenn man die Gesetzesgrenze ausnutzt, kann man bis zu 10, manchmal sogar 15 Aufsichtsratsmandate sammeln. Bei zehn Aufsichtsratsposten und vier vorgeschriebenen Sitzungen im Jahr entfallen auf einen Mandatsträger schon 40 Sitzungstage. Rechnen Sie die Vorbereitungszeit hinzu, dann ergibt sich doch, daß eigentlich ein Teil der Aufsichtsratsmitglieder nur so mitläuft. Das kann nicht Sinn der Sache sein.

  • Welche Folgerungen erwarten Sie, wenn Ihr Entwurf Gesetz würde?