Van Delden: Mein Kollege Breidbach hat kürzlich gesagt, das Sammeln von Aufsichtsratsmandaten sei zu einer Art "Gesellschaftsspiel" geworden. Ich pflege noch die makabre Bemerkung zu machen "alles für den Nachruf". Je weniger jedoch die Dotierung ist, je angemessener sie ist, desto eher wird es vorkommen, daß die Vorstandsmitglieder der Banken nicht alle diese Mandate selber wahrnehmen, sondern auch ihre unteren Etagen zum Zuge kommen lassen.

  • Nun bestünde ja praktisch die Möglichkeit, Ihr Gesetz zu umgehen. Die Unternehmen brauchen ja nur Beiräte zu schaffen und dann dort hohe Tantiemen zahlen.

Van Delden: Natürlich müssen auch die Beiräte einbezogen werden – über deren Nützlichkeit man auch noch streiten kann. Die Banken haben das damals gemacht, als ich das Verbot der überkreuzverflechtung initiiert habe. Die sind in einen Zentralbeirat ausgewichen und jedermann fand alle früheren Aufsichtsratsmitglieder bei gleicher Dotierung wieder.

  • Gibt es nicht wichtigere Probleme – etwa das Minderheitenrecht der Kleinaktionäre zu verbessern oder den Mißstand, daß anonyme Großaktionäre, die keiner kennt, in die Unternehmen hineinregieren können?

Van Delden: Ich bastele schon an einem Gesetzesentwurf herum. Bisher ist es ja schon so, daß juristische Personen, sofern sie eine Beteiligung von 25 Prozent und mehr an einer AG haben, dies anzeigen müssen. Bei natürlichen Personen ist das noch nicht so. Und das möchte ich gleichstellen. Ähnliches möchte ich auch für den Pool erreichen. Ferner habe ich die Idee, daß bei den Einladungen zur Hauptversammlung im Geschäftsbericht erwähnt wird, welche Bank im vergangenen Jahr zehn Prozent und mehr Depotstimmen vertreten hat. Dann weiß man wenigstens ungefähr, wie die Verhältnisse sind.

  • War also die Tantiemenfrage nur der "Aufhänger" für weitere Verbesserungen im Aktienrecht?

Van Delden: Genau. Wir wollten jetzt erst einmal die Initiative an uns ziehen. Ich bin auch der Meinung, man sollte die Mitbestimmung aus dem Betriebsverfassungsgesetz ausklammern und in das Aktienrecht, wo sie hingehört, einbauen.

hff