Eine Odyssee in der Geschichte der Flugzeugentführungen endete am Dienstag morgen mit der Sprengung der Maschine, eines japanischen Jumbo-Jets, auf dem Flugplatz von Bengasi. Kurz zuvor waren alle 137 Insassen – darunter zwei Deutsche – in Sicherheit gebracht worden. Die Entführer – vermutlich drei Araber und ein Japaner – wurden festgenommen. Die japanische Regierung fordert von Libyen ihre Auslieferung.

70 von 88 Stunden der nervenaufreibenden Entführung hatte die Boeing 747 in glühender Hitze in Dubai am Persischen Golf gestanden. Die Irrfahrt, die in Holland begann und in Libyen endete, berührte vier Flughäfen in drei Erdteilen. Die Chronologie der fünf Tage:

  • Freitag, 15.50 Uhr. Weiterflug der in Paris gestarteten Maschine von Amsterdam nach Tokio.
  • Kurz nach dem Start explodiert an Bord versehentlich eine Handgranate. Eine Frau, die sie bei sich trug und zu den Entführern gehörte, wird getötet, der Chefsteward verletzt.
  • Die Entführer geben sich zu erkennen und befehlen dem japanischen Piloten eine Kursänderung nach Süden.
  • Die Boeing überfliegt die Bundesrepublik, die Schweiz, Italien, Griechenland und fordert Landegenehmigung in Beirut. Sie wird verweigert. Beim Landeanflug auf Basra im Irak stellt sich heraus, daß die Landebahn zu kurz ist. Im Scheichtum Bahrein wird ebenfalls keine Landeerlaubnis erteilt.
  • Um 23.45 Uhr landet der Jumbo in Dubai. Der verletzte Steward darf ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Klimaanlage wird installiert, Verpflegung und Getränke werden an Bord gelassen.
  • Die Luftpiraten behaupten, einer Organisation "Söhne des besetzten Gebietes" (in Palästina) anzugehören. Sie ist bisher unbekannt. Die Palästinenser distanzieren sich von dem Anschlag. Konkrete Forderungen stellen die Entführer zu keinem Zeitpunkt, sind aber zu keinerlei Verhandlungen bereit, da sie auf Instruktionen ihrer Organisation warten müßten.
  • Am Montagabend lassen sie das Flugzeug auftanken. Die übermüdete Besatzung startet gegen Mitternacht. In Jerusalem wird Luftalarm gegeben wegen der Gefahr eines Kamikaze-Aktes. Israels Militärspitze eilt zum Flughafen Lod, um dort einen Krisenstab zu leiten.
  • Der Jumbo-Jet landet um 0.45 Uhr MEZ in Damaskus wo er aufgetankt wird.
  • Um 4.15 Uhr startet Kapitän Konuma erneut und fliegt am Dienstag morgen, nachdem erst die Richtung Athen eingeschlagen worden war, Bengasi an. Kurz vor acht laufen die ersten Eilmeldungen über die Sprengung des Jumbo-Jets im Wert von 70 Millionen Mark über die Nachrichtenagenturen.

Die erschöpften und von tagelanger Angst mitgenommenen Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden als Gäste der libyschen Regierung in ein Hotel gebracht. Ein deutscher Fluggast berichtete am Ende der Tragödie: "Der Araber, der als der zweite Mann der Entführergruppe auftrat, erzählte uns, daß er im Alter von neun Jahren aus Palästina vertrieben wurde und daß sie für eine gute Welt kämpften."