Von Nina Grunenberg

Freyung, im Juli

Tief im bayerischen Wald erschallten die Posaunen. Sie galten Jochen Vogel, der an feierliches Geleit gewöhnt ist. Aber dies war etwas Besonderes. Die Buben aus dem Schulzentrum in Grafenau, die für ihn so fröhlich die bayerische Hymne intonierten, die Schulkinder, die ihm im Treppenhaus zujubelten, sie straften das Image vom Bayerischen Wald Lügen. Nach landläufiger Ansicht ist das immer noch die Gegend, in der sich die Füchse gute Nacht sagen und das ländliche CSU-Milieu noch intakt ist; wo Luft und Wasser sauber sind, weil nennenswerte Industrie nicht heimisch wurde; und wo die Menschen, ärmlich, aber reinlich, noch an den lieben Gott glauben und nicht an die SPD.

Doch offenbar fällt es ihnen leicht, an Jochen Vogel zu glauben, und das hat gute Gründe. Erstens ist er Bayer. Zweitens ist er der Mann, der die Olympischen Spiele nach Bayern geholt hat und sich als Münchner Oberbürgermeister immer vorzeigen ließ, wenn die Brüder von der CSU über den Mangel an sozialdemokratischen Leuchten im Freistaat spotteten. Drittens ist er heute Bundesminister in Bonn und hat womöglich Geld zu vergeben. Viertens ist er Chef der Bayern-SPD – und fünftens ist er eben "der Doktor Vogel" – nie kopiert und unerreicht. Da können die Münchner Jusos zwar dran tippen; besser als sie scheint jedpch die CSU zu wissen, wie handlich und gefährlich die Vogel-Waffe in Bayern nach wie vor ist – vor allem auf dem Lande.

Unbehagen und Alarmzeichen