Ende dieser Woche soll von der Startrampe 39 in Cape Kennedy die zweite "Skylab"-Besatzung an Bord einer Apollo-Kapsel zu dem in 438 Kilometer Höhe kreisenden Großraumlabor starten. 59 Tage, gut doppelt so lange wie ihre Vorgänger, sollen Navy-Captain Alan Bean, 39, Elektroingenieur Dr. Owen Garriott, 41, und Navy-Major Jack Lousma, 35 Jahre alt, in der sich mit 27 370 Stundenkilometern um die Erde bewegenden Raumstation leben und arbeiten. Vom Ergebnis des achtwöchigen Forschungsaufenthalts, von den zur Erde zurückgebrachten Daten, Photos, Beobachtungen und von der körperlichen Fitness der zweiten Skylab-Bemannung wird es abhängen, ob die NASA-Manager einer mittlerweile raumfahrtmüden Öffentlichkeit den Nutzen der bemannten Raumfahrt noch einmal werden nahebringen können.

Die Erfolgsaussichten für solch PR-Unterfangen scheinen, gemessen an dem Interesse für das erste Skylab-Unternehmen, mäßig. Und vollends zweifelhaft ist, ob sich die Menschheit für moderne Pioniere, wie sie etwa Neil Armstrong oder Edwin Aldrin (vor nur vier Jahren als erste Menschen auf dem Mond weltweit gefeiert) verkörperten, nochmals begeistern könnte.

Dabei ist unumstritten, daß erdumkreisende Raumstationen durchaus sinnvoll sind. Sie bieten zum Beispiel einen idealen Beobachtungsplatz, von dem aus Wissenschaftler und Techniker mit entsprechender Spezialausbildung mitwirken, können, eine Vielzahl irdischer Probleme zu lösen. Mit Multispektralkameras lassen sich aus dem All Bodenschätze und Fischschwärme ebenso wie von Schädlingen befallene Getreidefelder und Forsten ausmachen. Auch könnten in Raumstationen neue Fertigungstechniken erprobt und neuartige Produkte fabriziert werden, etwa hochreine Impfstoffe oder superklare Linien für die optische Industrie.

Zwar wäre es technisch möglich, einen Teil solcher Prozesse und Beobachtungsaufgaben ferngelenkten Robotern zu übertragen – der Umweltforschungssatellit ERTS mag dafür als Beweis stehen. Wie wenig die Raumfahrt dennoch auf den Menschen im All verzichten kann, wenn höchste Effizienz angestrebt wird, das hat sich gerade bei Skylab und seiner ersten Besatzung gezeigt. Mit Phantasie und Fortüne war es Conrad, Kerwin und Weitz gelungen, das Großraumlabor arbeitstüchtig zu machen und damit das 2,6 Millionen Dollar teure Unternehmen zu retten, nachdem ein Schutzschild abgerissen und die Hauptenergiequelle ausgefallen war. Sie reparierten elektrische Kontakte, schnitten das noch verbliebene Sonnenpaddel aus seiner Verklemmung und machten mit beherztem Hammerschlag eine Batterie wieder funktionstüchtig. Sie bewiesen damit, daß "Menschen", wie es Skylab-Manager Kenneth Kleinknecht formulierte, "die anpassungsfähigsten Computer sind, die derzeit verfügbar sind": 96 Prozent der geplanten Experimente konnten erfolgreich abgeschlossen werden.

Und noch einen zweiten, kaum minder bedeutenden Nachweis erbrachte der 28tägige Rekordflug der ersten Labormannschaft: Menschen können längere Zeit in der Schwerelosigkeit des Weltraums leben, ohne daß der Organismus dadurch bleibende Schäden erleidet. Wohl hatten die Raumfahrtmediziner bei den Astronauten Kerwin und Weitz schon während des Fluges ein Nachlassen der Herzmuskelleistung (Folge der fehlenden Erdanziehung) und nach der Landung einen geringfügigen Schwund in der Beinmuskulatur diagnostiziert, aber die Symptome sind mittlerweile kuriert. Und auch die Kopfschmerzen und das Schwindelgefühl, über das die Astronauten klagten, als sie mit wackeligen Knien vorsichtig über das Deck des Bergungsflugzeugträgers gingen, waren nach zwölfstündigem Heilschlaf verflogen.

Weiteren und möglichst verläßlichen’ Aufschluß, wie Menschen langdauernden Aufenthalt in der Schwerelosigkeit verkraften können, soll nun die zweite Skylab-Crew erbringen. Damit die drei am Samstag startenden Astronauten während des zweimonatigen Fluges körperlich fit bleiben und überdies bei der Rückkehr zur Erde die plötzliche Erdanziehung ohne Schaden überstehen, haben die NASA-Mediziner den Flugplan ergänzt. Auf Vorschlag des Skylab-l-Kommandanten Conrad wurden die täglichen Trainingszeiten auf dem Bordfahrrad ausgedehnt. Das Pedaltreten auf dem Standfahrrad soll den Kreislauf stärken und dem Muskelschwund entgegenwirken.

Beim zweiten Langzeitaufenthalt dürften die Raumfahrthilfstruppen am Boden auch den Problemen der Astronauten mehr nachgehen, von denen die erste Besatzung nur am Rande berichtet hatte, deren Lösung aber infolge der Krisenbewältigung an Bord nachrangig erschienen war. Bei den Apollo-Flügen war der freischwebende Bleistift stets ein beliebtes Beweisobjekt für die Schwerelosigkeit gewesen. In der engen Apollokapsel hatte die Besatzung allerdings wenig Schwierigkeiten gehabt, die segelnden Demonstrationsutensilien wieder einzufangen. In der geräumigen Skylab-Behausung hingegen machte die fehlende Erdanziehung oft zeitraubende Einfang- und Staubsaugermanöver notwendig. Eßlöffel und Salzkörner – waren sie erst einmal frei – flogen durch die Bordküche, prallten gegen die Wand und wieder zurück. Und so war es auch mit Brotscheiben und den Tomaten, die Kommandant Conrad allzu hastig aus einer Dose herausgeholt hatte.