Wie Schottland von der Exploration in der Nordsee profitiert

Christopher Chataway, britischer Industrieminister, geriet ins Schwärmen. Optimistisch prophezeite er seinen schottischen Landsleuten "ungeheure Möglichkeiten" als Folge der Öl- und Gasfunde in der Nordsee. Und Gordon Campbell, Kabinettskollege des einstigen Meilen-Weltrekordlers, gab sich nicht minder euphorisch: "Schottland könnte das Texas von Europa werden."

Doch in Britanniens Norden, in dem Arbeitslosenquoten über sechs Prozent nichts Außergewöhnliches sind, herrscht nicht nur Freude über das plötzliche ölfieber. Konservative Schotten klagten (so die Sunday Times) über einen der schottischen Geschichte einmaligen Akt von Vandalismus". Sie halten nichts von Ölraffinerien und Fabriken entlang der Küste, wenn sie die auch bei Tausenden von Touristen beliebten Reize einer einmaligen Landschaft zu zerstören drohen.

Seit fast zehn Jahren bohren Erdölgesellschaften in der Nordsee, um neue Reserven des immer kostbareren Energiespenders aufzuspüren. 1968 wurde die erste Bohrung fündig. Heute sind 15 Bohrinseln im britischen Teil der Nordsee in Betrieb, bis 1975 sollen 30 daraus werden.

Solche Zukunftsträume regten die Initiative der Schotten an. Zwar können sie heute erst, eine einzige Raffinerie im Lande vorweisen, doch der Ölboom hat bereits seine Spuren in den Hafenstädten hinterlassen. Am eindrucksvollsten zeigt das die Beschäftigungsstatistik: Während im Industriezentrum Glasgow im Februar die Arbeitslosenquote bei 7,5 Prozent lag, war sie in der Hafenstadt Aberdeen bereits auf 2,9 Prozent geschrumpft.

In Aberdeen haben sich mittlerweile über 100 neue Firmen niedergelassen, die direkt oder indirekt vom Öl leben. Der traditionelle Hauptfischereihafen Schottlands wandelt sich immer mehr zur Verwaltungs- und Versorgungsbasis für öloperationen. Dabei sind es von Aberdeen oder Dundee immerhin gut zehn Dampferstunden (über 100 Seemeilen) bis zu den ergiebigen Quellen von Forties Field oder Ekofisk.

Doch geographische Besonderheiten begünstigen die Briten: Weil der Meeresboden zwischen den Ölfeldern und der norwegischen Küste die Techniker vor riesige Probleme stellt, wird auch das Öl aus den norwegischen Feldern per Pipeline nach Schottland gepumpt. Die norwegische Petroleum-Zentrale Stavanger hat das Nachsehen.