Rom, im Juli

Frostiger Widerspruch westdeutscher Bischöfe hatte den Vatikan im Frühjahr gehindert zu tun, was er jetzt – ohne allzu hitzige Abwehr zu riskieren – in die Sommerferien verlegt hat: Konsequenzen aus dem Grundvertrag der deutschen Staaten zu ziehen. Ohne formelle Rückfragen in Ostberlin oder Bonn wurden drei bischöfliche Kommissare in der DDR zu – unmittelbar dem Papst unterstellten – apostolischen Administratoren, ein vierter zum Weihbischof ernannt.

Damit sind gewiß die alten Bistumsgrenzen noch nicht aufgehoben, und mancher Bonner Kritiker mag sich damit trösten; doch in Wirklichkeit sind die letzten funktionierenden rechtlichen Bindungen von vier katholischen Kirchendistrikten in der DDR an ihre Diözesen in Osnabrück, Paderborn, Fulda und Würzburg gelöst worden. Als der Vatikan solche Administratoren 1967 als Übergangslösung in den polnischen Oder-Neiße-Gebieten ernannte, wies er noch aus? drücklich auf ihre weiterdauernde Zugehörigkeit zu den entsprechenden deutschen Bistümern hin. Jetzt jedoch spricht das römische Kommuniqué nur von den (kirchenrechtlich noch gar nicht existierenden) "Gebieten von Erfurt und Meiningen (Deutsche Demokratische Republik), dem Gebiet von Magdeburg (DDR), dem Gebiet von Schwerin (DDR)".

Warum? Weil der Übergang zu den geplanten drei neuen DDR-Diözesen nicht lange auf sich warten lassen wird und dem Vatikan daran liegt, mit der DDR möglichst bald an den Verhandlungstisch, zu einem Akkord und zu normalen Beziehungen zu kommen. Hansjakob Stehle