Der Dauerlauf der italienischen Mode in Rom für Winter 1973/74 brachte in massierten Auftritten sofort zwanzig Mannequins in Pelzmoden auf den Laufsteg. Das Gebot der Camera Nazionale für alle Pelz-Stylisten: Keine Verwendung von gefleckten Fellen wie Tiger, Leoparden und Jaguars. Dafür: Saga-Nerze und Swakara-Persianer, Fuchs und Hermelin und das bescheidene Kaninchen, sie zeigten sich vielfarbig in warmen, braunen Erdtönen, neuen Rostfarben, steingrau, schwarz und in strahlendem Weiß.

Der neue Trend: Schluß mit dem konservativen Pelzmantel. Lumber, Pullover und Pullunder, sogar Trägerkleider und Trenchcoats werten Nerze und Persianer wieder auf, indem man sie der sportlichen Mode angleicht und ihnen den Nimbus des "Feingemachten" nimmt. Ein Trend, der ebenso für die Pelze der Herren gilt. Geometrische Effekte entstehen durch inkrustierte Pelzstreifen in Kontrastfarben. Breite Manschetten werden aus schwarz-rost-weißen Füchsen zusammengesetzt, und was heute noch als "gefleckt" erscheint, sind inkrustierte Fellstückchen in abweichender Farbe.

Ganz in Weiß kommt uns ein Könner: Carlo Tivioli. Er schickt all seine Mannequins und Dressmen ähnlich den "weißen Gestalten" des Amerikaners George Segal über den Laufsteg. Seine glockigen Persianermäntel sind wie die Rillen des Rechens auf Blumenbeeten gearbeitet, und die weißen Nerze gleichen Orgelpfeifen. Techniken, die allen Pelzen mehr Volumen geben. Neu sind auch seine Hermelin-Hemdjacken, die mit Röcken oder Hosen getragen werden, sowie die Verarbeitung von weißen Kaninchen à la Hermelin zu bequemen Mänteln.

Bei Fendi ist Karl Lagerfeld Stylist. Sein schulterbreiter Schalkragen, der bis zur Taille reicht und aus Bambusfuchs-, Otter- oder Pekanfellen besteht, wird mit langen Bändern aus Wildleder um die Taille gebunden. Er paßt über Regen- und Tuchmäntel und zu Jacken, wirkt aber am modernsten über langen Pullovern. Ein neues "Früh-bis-spät-Kleidungsstück", Freude für Frauen, die mehr Chic als Geld haben und für die Zobeljacken nur zum Bewundern da sind.

Die Aufgabe der Alta Moda ist es, nicht nur reiche Frauen nobel anzuziehen, sondern auch Konfektionäre mit neuen Ideen zu überzeugen. Ohne Zweifel sind es die längeren Röcke – sie zeigten sich schon bei den Pret-a-porter-Schauen –, die neuen Schwung in die Mode bringen. Sie sind das gefürchtete Schreckgespenst jener Konfektionäre, die ihre Umsätze mit großen Stückzahlen machen. Längere Röcke können aber nur mit dem Wohlwollen einer kleinen Modeelite rechnen. Der Moment ist günstig, denn die Jugend von St. Tropez und Sylt trägt bereits lange, buntgemusterte Baumwollröcke zu romantischen weißen Blusen und Blumenhüten, teils, weil Jeans zu heiß sind, teils, weil der lange Rock plötzlich wieder "in" ist.