Hamburg

Das Allgemeine Krankenhaus Heidberg an Hamburgs nördlicher Stadtgrenze bekam Besuch von der Senatorin der Gesundheitsbehörde, Ilse Elsner, und ihrem Verwaltungsfachmann Senatsdirektor Worthmann. Als sie gingen, ließen sie empörte, zornige Gastgeber zurück. Was die Senatorin, jedenfalls ihrer Absicht nach, eine gemeinsame Erörterung nannte, empfanden die Heidbergleute als Eröffnung eines über sie schon beschlossenen Schicksals. Der ärztliche Direktor, Professor Harders, sprach gar von einer Exekution. Die Senatorin hatte mitgeteilt, daß ihre Behörde erwäge, das Krankenhaus Heidberg 1985 zu schließen.

Für Ärzte und Verwaltungsleute kam es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Senatorin Elsner sagt, so unverhofft könnte der Plan nicht gekommen sein. Der "Bericht über das Gesundheitswesen der Freien und Hansestadt Hamburg" vom 27. 6. 1972 sei allen bekannt gewesen.

Aus dem Bericht geht hervor, was Hamburgs Gesundheitswesen an Einrichtungen besitzt, was ihm fehlt und – was es zuviel hat. Um das Zuviel geht es hier: Hamburg hat eine Menge überzähliger Krankenbetten. Auf Grund einer Einwohnerzahl von 1,8 Millionen errechnete der Bericht 72 schon 1185 ungenutzte Krankenlager, und weitere 830 werden 1985 ungenutzt sein, denn erstens nimmt Hamburgs Bevölkerung ab – 1985 hat die Stadt nur noch 1,7 Millionen –, und zweitens wird die sogenannte Verweildauer in den Krankenhäusern immer kürzer.

Ein Bettenberg von 2000 Stück soll also abgebaut werden. Aber wo am besten? Das zu entscheiden ist für Frau Elsner (die ihr Amt erst seit Januar innehat und das Problem erbte) weder leicht noch angenehm. Denn natürlich wünscht jedes Krankenhaus, daß mit dem Abräumen der weißen Halde bei den anderen begonnen wird.

Mit dem Herausnehmen von hier ein paar Betten und dort ein paar Betten ist nichts gewonnen. So fiel das dunkle Los erst einmal auf die rund 1200 Betten von Heidberg, mithin auf das ganze Krankenhaus. Und das nicht, weil es minder zu bewerten ist als andere. Heidberg hat in der Stadt einen hervorragenden Ruf – insonderheit seine Neurologie, seine Neurochirurgie, die Nierenabteilung, die Dermatologie, das Hämodialyse-Zentrum und die Jugendpsychiatrische Abteilung.

Heidberg soll – möglicherweise – aus anderen Gründen dran glauben: Es liegt hart an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein, und vierzig Prozent seiner Patienten kommen von dort. Das hat zur Folge, daß Heidbergs Betten für die Stadt Hamburg künftig die teuersten sein werden.