Von Dieter Buhl

Hamburg

Die Mitarbeiter beim Regionalprogramm des NDR-Fernsehens übten spontane Solidarität, Ihr Protest richtete sich gegen die Weigerung der CDU-Mitglieder im Verwaltungsrat, den Vertrag des Chefredakteurs Erhard Herzig zu verlängern. "Entgegen anderslautenden Begründungen", hieß es in der von 71 Unterschriften bestätigten Resolution, "halten wir diese Entscheidung für eindeutig politisch motiviert." Um diese Vermutung zu untermauern und der Behauptung zu begegnen, ihrem Chef mangele es an Fähigkeit, taten die Unterzeichner gleich auch noch ihre Meinung kund, daß sie "die menschliche und fachliche Qualifikation von Herrn Herzig besser beurteilen (könnten) als der NDR-Verwaltungsrat".

In dem Glauben, ihre Vorgesetzten besser qualifizieren zu können als der Verwaltungsrat, werden in der nächsten Zeit womöglich alle über 3000 NDR-Mitarbeiter sehr fest sein müssen. Denn nach dem Fall Herzig stehen im Herbst auch die Verträge des Intendanten und seines Stellvertreters zur Debatte. Da die beiden Sender-Repräsentanten der CDU ebenfalls nicht mehr genehm sind, ist zu erwarten, daß nach dem Gerangel in anderen Funkhäusern nun auch beim NDR ein neues Stück parteipolitischer Einflußnahme bevorsteht.

Das Wort von der "Gefährdung der inneren Rundfunkfreiheit" ist bereits gefallen, denn schon der Sturz Herzigs hatte Alarmwirkung. Der Redakteursausschuß des Senders stellte in einer Erklärung fest: "Dieser Vorgang ist in der Geschichte des NDR/NWDR einmalig." Das CDU-Veto gegen die Vertragsverlängerung des Regional-Chefredakteurs wirkte um so beunruhigender, als es ohne Begründung ausgesprochen wurde. Der inoffizielle Kommentar des Hamburger CDU-Sprechers, Gerd Boysen, Herzig sei allein wegen mangelnder Befähigung abgelehnt worden, konnte den Verdacht nicht entkräften: Die Christlichen Demokraten wollen jetzt in der Sendeanstalt Remedur schaffen.

In der Lage dazu wäre die CDU. Sowohl im Verwaltungsrat (vier SPD- und vier CDU-Mitglieder) als auch im Rundfunkrat (elf Sozialdemokraten, elf Christliche Demokraten und zwei FDP-Mitglieder, von denen je einer den beiden großen Parteien verbunden ist) herrscht das Patt. Die CDU kann daher jederzeit die Anträge der Intendanz, die sich auf Personalprobleme an der NDR-Spitze beziehen, blockieren.

Im Fall Herzig hat sie von dieser Möglichkeit erstmals Gebrauch gemacht. Möglich, daß dabei ein gewisser Nachholbedarf der Christlichen Demokraten eine Rolle spielte, denn sie hatten in den Aufsichtsgremien des NDR viele Jahre lang nur eine Statistenposition inne. Erst seit 1970 können sie den Sozialdemokraten Paroli bieten. Vielleicht war es auch persönliches Pech für den Chefredakteur des Regionalfernsehens, daß er der erste Sozialdemokrat war, dessen Vertragsverlängerung in der Patt-Ägide anstand. Nicht zuletzt aber trieb die Programmgestaltung beim Regionalfernsehen die CDU zur Härte.