Zum erstenmal hat die DDR einen ihrer Bürger nach mißlungenem Fluchtversuch abgeschoben. Am vorigen Sonnabend wies sie den 18jährigen Klaus Gomert nach Westberlin aus. Gomert sagte, er habe am Donnerstagabend einen Fluchtversuch gewagt, bei dem mehrmals geschossen worden sei. Er sei stehengeblieben und festgenommen worden.

Die DDR wollte mit der Freilassung Vorwürfen begegnen, wonach Grenzpolizisten in der Nacht zum Freitag abermals einen. Flüchtling niedergeschossen haben. Bei dem schweren Grenzzwischenfall hatten Bewohner und Polizei Westberlins nach Mitternacht Schüsse gehört und einige Zeit später beobachtet, wie eine leblose Gestalt am Boden photographiert wurde.

Gomert beharrt aber darauf, schon kurz nach zehn Uhr festgenommen worden zu sein. Er habe auch nicht am Boden gelegen. So bleibt zwischen den ungeklärten Vorgängen in der Nacht zum Freitag eine Zeitlücke von zwei Stunden, bei der Aussage gegen Beobachtung steht. Es wird daher vermutet, daß es zwei getrennte Fluchtunternehmen gab, von denen nur das spätere in Westberlin bemerkt worden ist Ein Senatssprecher sagte: "Hier wird ein trauriges Spiel mit Menschen in Szene gesetzt."