Aus zwei mach drei! Statt des Zweierbundes mit Libyen ein Dreiecksverhältnis unter Einschluß Syriens – mit diesem Zaubertrick will Ägyptens Präsident Anwar el-Sadat dem stürmischen Werben Libyens begegnen. Zu verdenken ist ihm nicht, daß er dem neuen Mahdi Gaddhafi die kalte Schulter zeigt. Die von dem eifernden Obristen in Libyen inszenierte "islamische Kulturrevolution", sein ungestümer Zweiwochenflirt in Kairo und sein Rücktritt auf Raten mit anschließender Wiederkehr zur Macht offenbarten aufs neue die Unberechenbarkeit des libyschen Führers. Schließlich verärgerte der von Gaddhafi angestiftete "Marsch auf Kairo" die Ägypter. Nur mit Straßensperren und Sprengungen konnten sie sich 20 000 unerbetene Eindringlinge vom Leibe halten.

So endete der libysche Traum vom arabischen Großreich im Wüstensand von Marsa Matruh. Dort wird ihn Sadat vorläufig wohl auch ruhen lassen. Denn der Ägypter verfolgt derzeit eine ausgewogenere Politik, bei der ihn das Ungestüm der Libyer nur irritieren würde. Falls das reiche Libyen Kairo zur Strafe den Geldhahn zudrehen sollte, so steht das weit wohlhabendere Saudi-Arabien als Gönner bereit. Und sollten Sadat die jüngeren Anhänger des arabischen Einheitsgedankens im eigenen Lande zusetzen, dann kann der Präsident unbesorgt auf die versprochene Dreierunion verweisen. Ähnliche Fusionspläne im Nahen Osten haben sich auch früher schon von selbst erledigt. -hl