Die Regierung in Den Haag verbietet das einträgliche Geschäft der Piratensender

Vor Hollands Küste sollen drei Piraten die Segel streichen: Radio Veronica, Radio Caroline und Radio Nordsee International. Mit großer Mehrheit sprach die niederländische Abgeordnetenkammer das Todesurteil über die Freibeuter auf der Pop- und Hitwelle. Doch der Applaus des Publikums; blieb aus. Über zwei Millionen Rundfunkhörer, die vor allem Veronica ins Herz geschlossen hatten, sind erbost über das Verbot der Piratensender.

Die drei kommerziellen Sender stritten bisher mit dem Staatsrundfunk erfolgreich um Hörergunst und Werbemittel. Sieben Meilen vor dem Luxusbad Scheveningen, unweit des Regierungssitzes Den Haag, liegen die Sendeschiffe noch einträchtig nebeneinander. Doch ihre Besatzungen sorgen sich ums Überleben.

Fast jeder europäische Küstenstaat hatte schon seine Piratenkriege, Auseinandersetzungen mit denen, die Rundfunkgesetze einfach ignorierten und dazwischenfunkten. England und Holland bekamen wohl den größten kommerziellen Radioregen ab. Piratensender sind von der Regierung des Landes, in das sie ihre Sendungen ausstrahlen, nicht zugelassen. Und nirgendwo in Europa darf ohne Zustimmung des Parlaments Rundfunk gemacht werden.

Die Industrie jedoch war stets zufrieden: Die Plattenumsätze stiegen, die Gebühren-Gulden rollten reichlich. Radio Veronica, die älteste der drei Stationen, swingt und schmilzt schon seit 1960. Die Zentrale hat festen Boden unter den Füßen: In Hollands Rundfunkmetropole Hilversum arbeiten Direktion und Disc-Jockeys. Hier wird in fünf Studios acht Stunden täglich produziert, hier werden die vom Computer verteilten Werbespots in die Sendungen gemischt. Und hier wird vor allem gut verdient.

Von den rund 90 Mitarbeitern des Unternehmens Radio Veronica sind zwei Drittel in dem Herrensitz in Hilversum tätig. An Bord wechseln sich dreißig Techniker, Sprecher und Jockeys schichtweise ab. Alles wird in holländischer Sprache gesendet, denn die Niederlande sind der Markt für die Werber. Nutznießer sind aber auch fremde Ohren: Bis nach Paris, Brüssel und Düsseldorf ist Veronica zu hören.

Ein paar hundert Meter von der eher bedächtigen Veronica liegt die grellbunt gestrichene Mebo 2, Standort für Radio Nordsee International. Hier bestimmt eidgenössisches Gespür fürs Geldverdienen das Programm. Die Schweizer Erwin Meister (33) und Edwin Bollier (34) waren einst Rundfunktechniker. Mit Overall und Schraubenzieher begannen sie ihre Aktivitäten, im weißen Anzug und mit Managerköfferchen leiten sie heute ihr Unternehmen von Zürich aus.