Die Pipeline-Rohre sind längst eingetroffen, die Verwaltungsgebäude der Petroleumkonzerne sind bezugsfertig – doch nach Öl darf nicht gebohrt werden. So jedenfalls war bisher die Lage in Alaska, dem nördlichsten Bundesstaat der USA. Doch das könnte sich bald ändern. Denn der Senat gab jetzt grünes Licht für die lange umkämpfte Alaska-Pipeline, in der das Rohöl über 1300 Kilometer in den eisfreien Hafen von Valdez transportiert werden soll.

Vor allem die Naturschützer waren gegen das 3,5-Milliarden-Dollar-Projekt Sturm gelaufen. Sie stützten sich auf ein Gesetz aus dem Jahre 1920, nach dem in Alaska nur Wege bis zu einer Breite von 16 Metern angelegt werden dürfen. Aus technischen Gründen würde die Pipeline jedoch eine Schneise von annähernd 50 Metern Breite in die unberührte Natur schneiden. Doch die Senatoren in Washington votierten für eine Ausnahmeregelung und schlossen gar eine Intervention der Gerichte gegen ihren Beschluß ausdrücklich aus.

Wenn in den nächsten Wochen das Repräsentantenhaus der Exploration unter dem nördlichen Eis ebenfalls zustimmt, dann könnten sich die USA eine wichtige neue Quelle für die stark gefährdete Energieversorgung erschließen. Immerhin, müssen die Vereinigten Staaten heute schon ein Drittel ihres Rohölbedarfs importieren. Die Ölförderung im eigenen Land stagniert seit einigen Jahren, die Abhängigkeit vom Nahen Osten wächst.

Die Lager am Mackenzie-Delta sollen fast ein Drittel der heute bekannten amerikanischen Ölreserven bergen. Ab 1980 hoffen die am Alaska-Projekt beteiligten Konzerne (allen voran die BP), etwa 100 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr liefern zu können. Das entspricht etwa dem heutigen Jahresbedarf der Bundesrepublik und einem Achtel des gegenwärtigen US-Verbrauchs. Allerdings wird fast ausschließlich die amerikanische Westküste von dem neuen Ölquell profitieren. Und auch die Japaner spekulieren darauf, ihren Teil am Ölsegen aus Alaska abzuzweigen.

Die Naturschützer blasen indes bereits wieder zum Sammeln. Sie befürchten, daß der Senat zugunsten der Alaska-Pipeline einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen hat, indem er die gerichtliche Anfechtung seines Beschlusses von vornherein ausschloß. Damit könnte die Legislative in der Tat künftig andere Umweltschutzbestimmungen auf die gleiche Weise mühelos umgehen. Der Kampf um. das Öl aus dem Eis, so fürchten Skeptiker, könnte deshalb noch lange weitergehen, ehe die erste Tonne Rohöl im Hafen von Valdez eintrifft. smi