Als "eine Zumutung" empfand der Vorstand eines Unternehmens das Ersuchen der ZEIT, exakte Daten über das Unternehmen zu nennen. Die Herren befürchten die Reaktion der Aktionäre, wenn vor der offiziellen Veröffentlichung des Geschäftsberichtes etwas über das Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres publik wird. In solchen Fällen bleibt nichts übrig, als die Konkurrenz zu befragen oder sorgfältig zu schätzen.

Selbst Umsatzangaben von Unternehmen, die bereitwillig Auskunft geben, sind nicht problemlos. Um die Größe eines Unternehmens am Umsatz zu messen, müßten einheitliche Bewertungsmaßstäbe vorhanden sein. Laut Aktiengesetz ist in den Konzernabschluß jede Mehrheitsbeteiligung mit Sitz im Inland einzubeziehen. Über Auslandsbeteiligungen schweigt sich das Gesetz jedoch aus. Die Folge: heillose Verwirrung, denn jedes Unternehmen bilanziert Umsätze ausländischer Töchter und bewertet nach eigenem Gutdünken. Siemens weist den Abschluß inklusive aller In- und Auslandsbeteiligungen aus, an denen das Stammhaus mit mehr als 50 Prozent beteiligt ist. Die großen Chemiekonzerne (BASF, Hoechst, Bayer) ziehen auch die 50prozentigen Beteiligungen voll mit ein.

Ein zweites Problem betrifft die bekannten Holdinggesellschaften, die meist in der Rechtsform der GmbH selbst keine Konzernbilanz vorzulegen brauchen, sondern lediglich für deren Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktienbasis und größeren GmbH Teilkonzernabschlüsse publizieren müssen. Hier wird oft nicht ersichtlich, wie hoch die Beteiligungen tatsächlich sind beziehungsweise wie hoch der Gesamtumsatz aller Beteiligungen ist. Ein plastisches Beispiel gibt die Quandt-Gruppe, in deren Umsätzen die Mehrheitsbeteiligung von BMW enthalten ist, nicht jedoch die Beteiligung an Daimler-Benz. Addierte man auch diese Umsätze, stände Quandt sicherlich als größter Industriekonzern an unserer Tabellenspitze mit der Folge, daß dieser Umsatz zweimal erschiene, einmal bei Quandt und einmal bei Flick.

Angesichts dieser Schwierigkeiten können die einzelnen Daten nicht ohne Vorbehalt betrachtet werden. Dennoch kann man nicht auf sie verzichten. Selbst wenn die Rangfolge in diesem oder jenem Fall angezweifelt werden mag, gibt die Übersicht ein Bild von den Größenordnungen. Sie ermöglicht auch Vergleiche zu den Vorjahren. Bestes Beispiel: Im vergangenen Jahr (Geschäftsjahr 71) trennten 3,5 Milliarden Mark das Haus Siemens von VW. Im Geschäftsjahr 1972 waren es nur noch knappe 850 Millionen Mark. Mit Sicherheit kann angenommen werden, daß VW im laufenden Jahr von seiner Spitzenstellung verdrängt werden wird. jfr.