Der Bundesverteidigungsminister ist aus Washington mit einem Kommuniqué zurückgekehrt, das an Solidität nichts zu wünschen übrig läßt. Mancherlei Zweifel über die sicherheitspolitischen Absichten der US-Regierung sind darin ausgeräumt worden. Es bleibt bei der Strategie der Abschreckung und der flexiblen Reaktion; die Präsenz amerikanischer Truppen in Europa wird uneingeschränkt als bedeutsamer Faktor anerkannt; in der MBFR-Formel – "nur auf der Basis der Bündnissolidarität" – klingt die deutsche Auffassung an, daß ein Streitkräfteabbau die einheimischen Truppen mit einbeziehen muß, wenn auch deren Verminderung zeitlich den ersten Abzügen amerikanischer und sowjetischer Soldaten hinterherhinken mag.

Darüber hinaus sind auch eine Reihe von Gespenstern gebannt worden, die in jüngster Zeit Aufregung verursacht hatten. Von der Ersetzung konventioneller Truppen durch Kleinst-Atomwaffen (mini-nukes) oder dem Einbau von Atomminen entlang der Zonengrenze ist nicht mehr die Rede, höchstens von der Modernisierung der in Europa lagernden, fast zwei Jahrzehnte alten taktischen Nuklearmittel. In der Beurteilung der sowjetischen Stärke hat der neue Pentagonchef sich wieder auf euphoriefreie, realistische Zahlenangaben zurückgezogen. Im übrigen haben die Amerikaner wohl begriffen, daß Bonn nicht der richtige Adressat für neue Devisenausgleichsforderungen ist; wir gleichen ja ohnehin 80 Prozent der amerikanischen Devisenausgaben in der Bundesrepublik aus.

So stünde alles zum besten in der Allianz – wenn nicht der Watergate-Skandal, der sich immer rapider zum Verfassungskonflikt aufschaukelt, einen düsteren Schatten auf die Geschäftsfähigkeit der Regierung Nixon würfe. Der Präsident hat einen politischen Schlaganfall erlitten. Niemand vermag zu sagen, wieviel sein Wort oder das seiner Minister angesichts eines aufbegehrenden Kongresses noch wert ist. Th. S.