Freilich, sie sind ohnehin austauschbar und entsprechen den Mustern, die Françoise Sagan seit 1954 beharrlich entworfen hat. Diese schablonenhaften Bored und Beauties, sie welken nun sichtbar dahin. Ihre Strände und Betten und Bars, Tummel- und Lümmelplatz dereinst ihrer Art von Wirklichkeit, sind okkupiert und befleckt von Neckermanns Reisenden.

Françoise Sagan spielt mit den Figuren ihrer eigenen schriftstellerischen Vergangenheit, läßt ihre Puppen tanzen zwischen deren Scheinwelt und der "realen", also Scheinwelt der Autorin. Das aber bedeutet: Sie sieht sich und das Ihre bereits historisch. Sie zitiert sich selber, blättert im Album ihrer alten Erfolge, streichelt die vergilbten Bilder. Vor zwanzig Jahren begann sie, skizzierte ihr Bild der "skeptischen Generation" im damaligen Westeuropa und schenkte dieser Generation ihren duftenden, zartgesalbten Fluchtpunkt. Damals verkörperte Françoise Sagan ein – wenn auch exotisches – Stück Zeitgeist, heute läuft sie dem Zeitgeist nach oder doch dessen schwadronierenden Trabanten. Als sie anfing, war sie achtzehn, jetzt wird sie bald vierzig sein. Ob es dereinst eine nostalgische Generation geben wird, die sie wieder zurückholt, dans un mois, dans un an?

Bis dahin: au revoir, tristesse und Brahms und Schwedenschloß, all die hübschen Chinoiserien aus Ennui und Desillusion und dem aparten Luxus der maßlosen Egozentrik – ihr wart auf eure Weise doch recht rührend, und anrührend manchmal auch. Seit aber die Autorin zur wahren Schriftstellerin gereift ist, bleibt allenfalls ein gewisses Lächeln.