Was den Bauern recht ist, soll den den deutschen Hoteliers billig sein: Nach der letzten Aufwertung der Mark forderten sie einen Grenzausgleich für Folgen, die sich aus dieser währungspolitischen Maßnahme ergeben könnten. Ex-Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Gustav. Lotz aus Nürnberg machte einen Lösungsvorschlag: Im Ausland sollen Touristen zukünftig Mark-Reiseschecks zu einem billigeren Kurs einkaufen können. Die Schecks dürften dann "ausschließlich in der Bundesrepublik eingelöst werden."

Gustav Lotz ist sich seiner Sache ganz sicher. Er räumt zwar ein, daß sich sein Vorschlag nicht von heute auf morgen realisieren läßt, da es ja gilt, "größere Vorbereitungen ebenso wie einige Sicherheitsmaßnahmen" zu treffen. Dies solle aber Bundesregierung, und Bundesbank nicht hindem, einen "Touristendollar" oder eine "Touristenmark" so rasch als möglich einzuführen.

Der Ärger der Hoteliers ist verständlich. Sie werden es in diesem Jahr zu spüren bekommen, daß ein Amerikaner für seinen Dollar in der Alten Welt weniger kaufen kann als früher. Aber ganz so schlimm wird es dann auch wieder nicht sein. Schließlich stehen dem Amerikaner inzwischen auch mehr Dollar zur Verfügung, denn bei ihm zu Hause steigen ja ebenfalls Preise und Löhne.

Im Prinzip haben die Hoteliers sicher recht: Man sollte wirklich mehr dafür tun, Ausländer zu einem Urlaub in Deutschland zu verführen. Aber die Touristenmark ist dafür das falsche Mittel. Denn eines hat Gustav Lotz vergessen, er hat nicht verraten, wer die Differenz zwischen offiziellem und Touristenkurs bezahlen soll. Wahrscheinlich der Steuerzahler, der ja schon den Grenzausgleich im Agrarhandel finanziert. Dann müssen sich die Hoteliers aber auch gefallen lassen, daß das Geld nach den gleichen Kriterien verteilt wird wie in der Landwirtschaft, anders gesagt: daß man die Hotelbetriebe nach förderungswürdigen und -unwürdigen Herbergen unterscheidet. kde