Moskau hat kundgetan, daß der Generalsekretär des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) beauftragt wurde, mit der Europäischen Gemeinschaft Sondierungsgespräche über Kooperationsmöglichkeiten zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken aufzunehmen. Dieser Startschuß zum Direktkontakt liegt auf der Linie der vorangegangenen, zähneknirschenden Anerkennung der EG-Wirklichkeit durch die Kreml-Führung. Es entspricht dem europapolitischen Konzept Breschnjews, dessen Kennzeichen die Öffnung der geballten sowjetischen Faust zum geschäftsbereiten Handschlag ist.

Dabei tun die Sowjets einen Schritt zurück. Sie müssen die orthodoxe Lehre vom unaufhaltsamen Zerfall des Kapitalismus mit dem unübersehbaren ökonomischen Kräftegewinn der Brüsseler Gemeinschaft in Einklang bringen. Aber sie versprechen sich vom Tête-à-tête der beiden Wirtschaftsorganisationen auch mehrere Schritte nach vorn: ein Anziehen der Comecon-Klammer zur Verhinderung osteuropäischer Alleingänge nach Brüssel; die Schaffung einer unmittelbaren Präsenz im EG-Nervenzentrum zur Erschließung einer neuen Dimension europapolitischen Agierens; schließlich den erleichterten Zugang zu westlichen Finanzquellen für jene kolossalen sowjetischen Entwicklungsprodukte, die alle die Wirtschaftskraft der einzelnen westeuropäischen Länder übersteigen.

Der Kreml läßt in Brüssel vor allem in eigener Sache an die Tür klopfen. Hinter der Kontaktsuche verbirgt sich der wirtschaftliche Alleinvertretungsanspruch der sowjetischen Führungsmacht. Damit darf sich die Gemeinschaft nicht zufriedengeben. Sie muß zugleich die Aufnahme offizieller Beziehungen zu allen Comecon-Staaten fordern und vorantreiben. A. K.