Innerhalb einer Woche quittierten zwei Spitzenmanager ihren Dienst

Mit der Allerweltsformel "aus persönlichen Gründen" kündigten letzte Woche zwei Top-Manager der deutschen Automobilindustrie ihren Unternehmen den Dienst auf:

  • In Wolfsburg bat Dr. Gerhard Prinz, im Vorstand des Volkswagenwerks zuständig für die Beteiligungen, den Aufsichtsrat, seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, und
  • in Köln räumte Hans-Adolf Barthelmeh, seit 22 Jahren Manager bei den Ford-Werken und in den letzten eineinhalb Jahren deren Generaldirektor, seinen Schreibtisch.

Obereinstimmend lautete in beiden Fällen die Firmen-Sprachregelung, daß es "keine Differenzen" gegeben habe. Übereinstimmend versicherten die Firmensprecher auch, daß über die Zukunftspläne der Manager "nichts bekannt" sei.

Übereinstimmung besteht aber auch darin, daß die beiden Spitzenmanager zwei Unternehmen den Rücken kehren, die auf dem deutschen Markt weit zurückgefallen sind. Das Volkswagenwerk hat seine Spitzenposition an die Adam Opel AG abgeben müssen, und Ford mußte sich im ersten Halbjahr 1973 mit mageren zwölf Prozent Marktanteil abfinden, nachdem Mitte der sechziger Jahre die 20-Prozent-Marke bereits in greifbarer Nähe schien.

In beiden Fällen war eine verfehlte Modellpolitik die Ursache dafür, daß sich die Käufer anderen Marken zuwandten. Doch während dies bei VW 1971 zu einer Unternehmenskrise führte, die damit endete, daß der Nordhoff-Nachfolger Kurt Lotz von Rudolf Leiding als Vorstandsvorsitzender abgelöst wurde, konnte Hans-Adolf Barthelmeh als Verkaufschef und später als Generaldirektor von 1969 bis heute Jahr für Jahr (Ausnahme: 1972) Produktion und Absatz von Ford über den Durchschnitt der deutschen Autoindustrie steigern. Wachsende Auslandsnachfrage trieben die Exportquote des Unternehmens von 40 auf fast 60 Prozent. Nur im Inland lief das Geschäft nicht.

Und noch eine Parallele: In Köln wie in Wolfsburg ist häufiger Wechsel in der Führungsspitze eine Konstante der Unternehmensentwicklung der letzten Jahre.