Von Helmut Geiger

Was ist am Preis- und Lohnstopp dran, der als letzte Hilfe in der Not überall aus der untersten Schublade hervorgezaubert wird? Nun, er ist für die Politik ideal: Man braucht keine drastischen Restriktionsmaßnahmen, die das Ziel der Vollbeschäftigung möglicherweise gefährden. Das Ziel der Preisstabilisierung ist offensichtlich rasch erreicht, ohne schmerzhafte Stabilisierungsprozesse. Hinzu kommt, daß man mit dieser Maßnahme auf eine breite Zustimmung in der Bevölkerung stoßen wird.

Unter diesen Umständen muß man sich dann fragen, warum es überhaupt noch Widerstände dagegen gibt? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort: Weil ein Preis- und Lohnstopp das Problem nicht löst, sondern nur seine Oberflächenerscheinung und zusätzliche Probleme aufanderen Bereichen schafft.

Die einzelnen Preise und auch das gesamte Preisniveau steigen in einem marktwirtschaftlichen System in den meisten Fällen dann, wenn die Nachfrage das Angebot übertrifft. Friert man nun die Preise ein, so wird dadurch die Nachfrage nicht geringer. Dann taucht das Problem auf, wie das knappe Angebot auf die weiterhin hohe Nachfrage aufgeteilt werden soll. Wenn es keine freien Marktpreise gibt, so bringen mit der Zeit persönliche Beziehungen und graue bis schwarze Märkte den Ausgleich zustande, soweit das Angebot nicht vom Staat selbst rationiert und zugeteilt wird.

Da Kostensteigerungen aber trotz Preisstopp nicht ganz zu vermeiden sind, muß der Staat gewisse Preissteigerungen zulassen, damit die Produktionsfähigkeit der Unternehmen erhalten bleibt. Da dabei eine Erlaubnis zur Preiserhöhung nur dann gewährt wird, wenn eine entsprechende Erhöhung der Kosten nachgewiesen werden kann, führt diese Regelung dazu, daß die Unternehmen bestrebt sind, Kosten zu machen, um die Berechtigung einer Preiserhöhung nachweisen zu können.

Damit wäre aber schön praktisch der Preis- und Lohnstopp wieder aufgehoben. Dieser Fall könnte – zumindest theoretisch – mit allen staatlichen Zwangsmitteln sicherlich verhindert werden. Was aber dann verlorengegangen wäre, wäre unsere marktwirtschaftliche Ordnung.

Nun hat dieser Entwicklungsendpunkt für die keinerlei Schrecken, die sowieso nicht sehr an dieser marktwirtschaftlichen Ordnung hängen. Glücklicherweise hat aber diese Vision in unserer noch freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung keine Chance, je verwirklicht zu werden, Denn eine solche Politik eines totalen Preis- und Lohnstopps hat einen riesigen Kontrollapparat zur Voraussetzung. Denn es müßten Millionen von Preisen und Löhnen kontrolliert und überwacht werden. Da es aber diesen Kontrollapparat nicht geben kann, ist der Erfolg eines allgemeinen Lohn- und Preisstopps praktisch als Null anzusehen.