Gegen diese Argumentation wird man möglicherweise einwenden, daß man gar nicht alle. Preise zu kontrollieren braucht, sondern nur bestimmte "politisch-strategische" Preise, so bestimmte Konsumgüterpreise wie etwa die Preise für Brot oder Fleisch.

Aber auch dieses Argument ist relativ einfach zu widerlegen. Kommt es nämlich tatsächlich zu einem Stillstand dieser bestimmten Preise, so wird hier Kaufkraft freigesetzt, die sich anderen Gütern zuwenden wird. Durch die Interdependenz der Preise über die Nachfrage kommt es dann eben zur Nachfrage und Preissteigerungen bei anderen Gütern. Die These, durch Bremsen bei sogenannten politischen, strategischen Preisen könne ein Steigen des Preisniveaus verhindert werden, fußt auf partialanalytischen Vorstellungen, die unter Berücksichtigung des marktwirtschaftlichen Gesamtzusammenhangs nicht anwendbar sind.

Im übrigen ist die Beschränkung des Preisstopps auf Konsumgüter oder sogar bestimmte Konsumgüter nur für eine kurze Zeit möglich. Die Fortsetzung der Preissteigerungen für Investitionsgüter, Vorfabrikate, Rohstoffe sowie die Lohnerhöhungen werden die Kosten der Konsumgüterproduktion erhöhen und damit auf Dauer das Angebot von Konsumgütern einschränken. Da der Staat dies aus sozialpolitischen Gründen nicht dulden kann, wird er Maßnahmen ergreifen, um das Angebot dieser Güter aufrechtzuerhalten: Die Spirale des Interventionismus fängt an, sich zu drehen.

Bricht man aber diesen Interventionsprozeß an einer Stelle wieder ab, so wird die bis dahin zurückgestaute Inflation wieder zu einer trabenden oder gar galoppierenden.

Diesen Argumenten könnte man weiterhin entgegenhalten, daß doch viele Länder auf dieser weit diesen Versuch gemacht haben. Warum dann nicht wir? Aber gerade diese Experimente in anderen Ländern müßten jeden davon überzeugen, mit wie wenig Erfolg man bei einem Preis- und Lohnstopp rechnen kann. Auch das amerikanische Beispiel, das die Befürworter eines Lohn- und Preisstopps stolz als ein Beispiel für die Erfolge einer solchen Maßnahme herumgezeigt haben, hat seinen Glanz verloren. Denn jetzt bestätigt sich die These der Gegner dieser Maßnahme, die schön immer darauf hingewiesen haben, daß die Preissteigerungen in den USA vorübergehend auch ohne Preis- und Lohnstopp heruntergegangen wären.

Was will man dann noch mehr: Man ist nicht nur in der Theorie steckengeblieben, sondern hat diese sogar in der Praxis durch Experimente getestet und dabei die Thesen der Befürworter von Lohn- und Preisstopps falsifiziert.

Nun können die Befürworter eines Lohn- und Preisstopps immer noch sagen, daß wir in der Bundesrepublik ja alles besser machen würden als die anderen. Dieser Glaube an den Perfektionismus der Deutschen hat durch die Mißerfolge der Kapitalverkehrskontrollen glücklicherweise einen gehörigen Stoß bekommen und kann damit gleichfalls zu den Akten gelegt werden.