Von Theodor Eschenburg

Die Neugliederung der Bundesrepublik ist noch immer im Gespräch. Vor fünfundzwanzig Jahren schon waren verschiedene Änderungen geplant, aber nur eine einzige wurde bisher in Angriff genommen und – nach vier Jahren – vollendet: die Bildung des Südweststaates. Am 2. August 1948 setzte sich eine Konferenz von Regierungs- und Landtagsmitgliedern aus Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden zur Ausarbeitung eines Vertrages über die Vereinigung der drei Länder zusammen. Dies war der eigentliche Gründungstag des Landes Baden-Württemberg. Professor Theodor Eschenburg, damals Staatsrat und Stellvertreter des Innenministers von Württemberg-Hohenzollern, blickt zurück.

Bei Kriegsende hatten die Alliierten Ländergrenzen geändert, alte Länder beseitigt, neue gegründet. Die Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und französischen Besatzungszone durchschnitt längs der Autobahn Karlsruhe–Ulm sowohl Baden wie Württemberg. Die Amerikaner verbanden die beiden nördlichen Teile zum Land Württemberg-Baden mit Stuttgart als Regierungssitz. In der französischen Zone wurden die Länder Württemberg-Hohenzollern mit Tübingen und Baden mit Freiburg als Hauptstadt geschaffen.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg war der Zusammenschluß der beiden alten Länder gegenüber dem mächtigen Preußen und dem partikularistischen Bayern erwogen worden. Aber der "Nächstenhaß" zwischen Badenern und Württembergern war damals in allen Schichten zu stark. Jetzt hatten ihnen die Alliierten im Norden den gemeinsamen Staat aufgezwungen – und es ging so gut, daß sie sich nun nicht mehr trennen wollten. Einmütig schlug der Stuttgarter Landtag Anfang 1947 den Zusammenschluß der drei Länder vor. In Tübingen war man geneigt. Aber empört und entschieden lehnte der Staatspräsident von Baden, Leo Wohleb (CDU) ab. Für ihn gab es nur eine Lösung: die Wiederherstellung des traditionellen Badens.

Mit der alliierten Empfehlung zur Bildung eines die drei Zonen umfassenden westdeutschen Staates im Juli 1948 wurde den Ministerpräsidenten der Länder in den drei Zonen zugleich das Recht gegeben, Vorschläge zur Länderneugliederung zu machen; darüber sollten, wenn die Militärregierungen nicht ablehnten, jeweils Volksabstimmungen entscheiden.

Eine Neugliederung kam freilich den meisten Ministerpräsidenten gar nicht gelegen. Sie hätte das Verschwinden ganzer Länder oder die Abtretung von Landesteilen bedeuten können. Manche scheuten auch den Präzedenzfall. Trotzdem setzten der Ministerpräsident von Württemberg-Baden, Reinhold Maier (FDP), und der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, Lorenz Bock (CDU), gegen ihre widerstrebenden Kollegen durch, daß über die "Beseitigung der im Südwesten bestehenden, besonders unerfreulichen Verhältnisse durch die interessierten Länder selbst" verhandelt werden sollte.

Die Amerikaner bevorzugten die Südweststaatbildung. Die Franzosen hingegen wollten nur die Wiederherstellung der alten Länder zulassen, um Nordbaden gegen den Austausch Südwürttembergs an die Amerikaner in ihre Zone eingliedern zu können; dann hätten längs ihrer Grenze, von Basel bis Koblenz, kleine französisch besetzte Länder gelegen. Man sprach vom neuen Rheinbundplan.