Von Horst Bieber

Vor knapp vier Jahren, als er den Oberbefehl über die portugiesischen Truppen in Moçambique übernahm, versprach General Oliveira Kaulza de Arriaga selbstbewußt, die "Pest der feigen Rebellen" in zwei Jahren "auszutreten, auszulöschen, mit Stumpf und Stiel auszurotten". Ende Juli 1972 sagte er, "zwei, vielleicht drei Jahre" werde es wohl doch noch dauern. Genau zwölf Monate später erklärte er, gerade eben von seinem Amt abberufen, persönlich fühle er sich von den Leistungen der vergangenen Jahre voll befriedigt, "aber meine Aufgabe ist noch weit davon entfernt, vollständig erfüllt zu sein".

Sie ist es heute weniger denn je. Die Leistungen des 57jährigen Generals haben nicht nur eine gesteigerte Aktivität der "Befreiungsfront für Mocambique" (Frelimo) zur Folge gehabt, sie haben auch die Weltmeinung gegen Portugals Kolonialpolitik aufgebracht.

Wenige Tage vor dem England-Besuch des portugiesischen Ministerpräsidenten Caetano veröffentlichte der britische Pater Adrian Hastings, früher Lehrer am katholischen St.-Johns-Stift in Pretoria, in der Londoner Times eine furchtbare Anklage: Portugiesische Truppen hätten am 16. Dezember 1972 in dem Dorf Wiriyamu ein ebenso sadistisches wie sinnloses Massaker veranstaltet, dem rund 400 Menschen zum Opfer gefallen seien. Fast 100 Ermordete führte Hastings, der sich auf das Zeugnis spanischer Missionare stützte, namentlich an. Die katholische Kirche in Moçambique, so hieß es in weiteren Enthüllungen, habe Kenntnis von diesem afrikanischen My Lai gehabt, aber, wie in vielen anderen Fällen, nicht gewagt, diese Morde öffentlich anzuprangern.

Lissabon, der Erzbischof von Laurenço Marques in Moçambique und General Kaulza de Arriaga protestierten: Solch ein Massaker habe es nie gegeben. Wiriyamu sei das Lügengespinst marxistischer Priester, die wegen ihrer Unterstützung der Frelimo das Land verlassen mußten.

In der Tat bleiben viele Einzelheiten unklar und widersprüchlich.

  • Wiriyamu (oder Wiliyamo oder Williamo) soll ungefähr 35 Kilometer von der Bezirkshauptstadt Tete entfernt gelegen haben – andere Aussagen aber siedeln es in der Nähe von Mucumbura, rund 150 Kilometer westlich von Tete, nahe der rhodesischen Grenze an.
  • Manche der aufgeführten Opfer, so scheint es, sind schon früher eines natürlichen Todes gestorben oder ausgewandert.
  • Das Wort "Wiriyamu" ist untypisch für die im Bezirk Tete gesprochenen Dialekte. Ein Dorf mit 400 Einwohnern widerspräche der dort üblichen Kleinsiedlungsform.
  • Hätten die Portugiesen eine solche "Groß-Siedlung in der Nähe von Tete, dem wichtigsten Sambesi-Obergang für den gesamten Nachschub zur Cabora-Bassa-Baustelle, geduldet und nicht längst, wie alle anderen größeren Dörfer der Region, in ein aldeamento, eine Mischung aus Kommune, Konzentrationslager und Wehrdorf, umgewandelt?
  • Wäre das Massaker von Wiriyamu wirklich geschehen, hätte Frelimo es nicht unverzüglich in die Welt hinausgeschrien?