Seit drei Jahren gehört die italienische Nobelmarke Lancia zu Fiat. Unter der neuen Leitung werden die überalterten Modellreihen (vor allem der 2000) nach und nach durch neue Typen abgelöst, die sich technisch auf Fiat stützen, aber durchaus ihren eigenen Charakter bewahren. Erster Schritt in diese Richtung ist der Beta, der seit kurzem auch in der Bundesrepublik über die rund 120 Lancia-Händler angeboten wird.

Der Beta ist, grob ausgedrückt, eine Art Fiat 132 im Sonntagskleid. Er ist äußerlich etwas kürzer (429 gegenüber 438 cm), mit seiner charakteristischen Front und dem Schrägheck sehr viel gelungener gezeichnet und besitzt innen mehr Platz (vor allem auch genügend Höhe über den Rücksitzen, die dem 132 abgeht). Erreicht wurde die Raumausnutzung durch Frontantrieb und durch einen querliegenden Motor. Innen wirkt der Beta gediegen – allerdings auch etwas praxisfremd: Die sehr hellen Stoffbezüge der Sitze schmutzen schnell. Und man fragt sich, warum die Türen unbedingt unten mit Teppich verkleidet werden mußten, wo man mit den Füßen langstreift. Ein netter Gag ist das um 5,5 cm in der Höhe verstellbare Lenkrad.

In Italien gibt es den Beta mit 1438, 1592 und 1756 ccm und mit 90, 100 und 110 PS. In Deutschland werden nur die kleine und die große Version angeboten: für 11 800 und für 13 600 Mark. Der kleine Motor stammt aus dem Fiat 124 Special T, der große aus dem 132/1800; beide haben zwei obenliegende Nockenwellen mit Zahnriemenantrieb. Der große Motor wirkt, obwohl in der Leistung nochmals um 5 PS angehoben, viel harmonischer als im Fiat 132; er tritt bereits bei mittleren Drehzahlen kräftig an und bleibt auch bei Spitzendrehzahlen leise. Der Beta erreicht damit 175 km/st Spitze und beschleunigt in etwa 13 Sekunden auf 100 km/st. Mit dem kleinen Motor werden 165 km/st erreicht. Beide Wagen haben serienmäßig ein Fünfganggetriebe, das sich trotz Quermotor leicht und exakt schalten läßt und für die sehr günstigen Verbrauchswerte verantwortlich ist: Mit dem großen Motor braucht man in der Praxis kaum mehr als 12 Liter Super für 100 km. Dank hinterer Einzelradfederung ist der Fahrkomfort weit hoher als im Fiat 132.

Trotz dieser insgesamt positiven Eigenschaften wird der Lancia Beta bei uns ein ausgesprochenes Liebhaberfahrzeug bleiben. Für 13 600 Mark erhält man bei uns schon einen Sechszylinder (Opel Commodore). Lancia gilt bei uns weit weniger als Nobelmarke wie in Italien – die bisherigen Modelle haben so gut wie keinen Verkaufserfolg und sind damit entsprechend unbekannt. Schließlich sind dem verwohnten deutschen Käufer 120 Kundendienststützpunkte zuwenig. Die meisten von ihnen führen dazu Fiat, betreiben den Lancia-Verkauf gewissermaßen mit der linken Hand – auch bei attraktiven und preiswerten Modellen wird es Lancia schwer haben, bei uns Fuß zu fassen. wo.