Frankfurt, im August

Es ist eine alte Weisheit: Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande, oder, anders gesagt, eine Geschichte muß erst in der New York Times stehen, um auch hier geglaubt zu werden. Daß US-Geheimdienste in der Bundesrepublik ihrem Gewerbe nachgehen und dabei auch "deutsche" Telephone anzapfen, versuchte schon seit geraumer Zeit der in Heidelberg ansässige Journalist und US-Bürger Thomas Schwaetzer an den Mann zu bringen. Aber niemand wollte so richtig anbeißen. Erst als der Bonner Korrespondent der New York Times seiner Zentralredaktion einen Bericht über die Abhörpraktiken des US-Oberkommandos für Europa (USAREUR) kabelte und seine Story in der letzten Samstag-Ausgabe auch erschien, stürzten sich die deutschen Nachrichten-Agenturen auf dieses Thema.

Die anfängliche Skepsis gegenüber den Enthüllungen des Thomas Schwaetzer, in Kollegenkreisen "Max" genannt, war nicht ganz unbegründet: Er verkauft heiße Ware und keine 08/15-Meldungen. Über den Pressedienst Liberation News Service, den er vertritt, gab es für deutsche Kollegen zwar oft genug Tips, vor allem über Rassenkonflikte in der amerikanischen Armee, aber die Hinweise waren nicht immer Volltreffer. Vielleicht auch deshalb wurden "Maxens" Andeutungen über eine Telephonspionage unter dem Kodenamen Penguin monk zurückhaltend aufgenommen.

Da die Ergebnisse von Thomas Schwaetzers Recherchen nicht dem Ruhme der US-Armee und der Vereinigten Staaten von Amerika dienten, mußte er beinahe zwangsläufig zum Objekt nachrichtendienstlicher Neugier werden. Und wer mit "Max" telephonierte, mußte in die Abhörproto-Abhörprotokolle des US-Geheimdienstes komkolle des US-Geheimdienstes kommen.

Wie die Frankfurter Rundschau vermutet, sollen sich drei Geheimagenten unter dem Einfluß des Watergate-Skandals entschlossen haben, die Abhöraffäre an die Öffentlichkeit zu bringen: Sie hätten ihre Angaben mit sogenannten agent reports belegt, in denen die Namen der abgehörten Personen und Stichworte über den Inhalt der Gespräche verzeichnet standen.

Nicht nur eine Vermutung, sondern Tatsache ist, daß ein Gespräch zwischen der Nachrichtenredaktion der Frankfurter Rundschau und "Max" geheimdienstlich aufgenommen und protokolliert wurde. Es ging dabei um die Aktivitäten amerikanischer Rechtsextremisten in der Bundesrepublik. Dazu heißt es im Protokoll:

"Am 21. Juni 1973, ungefähr um 19 Uhr 51, fand ein Telephongespräch statt zwischen einer Person, identifiziert als Max, und einer Person, identifiziert als Herr G. von einer hier nicht anzugebenden Telephonnummer in der Frankfurter Rundschau. Das Telephongespräch, in deutscher Sprache geführt, hatte zusammengefaßt den folgenden Inhalt: Max führte aus, daß die amerikanische Nazi-Partei in Frankfurt durch Verteilen von Flugblättern aktiv geworden ist. Die Flugblätter beschäftigen sich mit dem weißen Rassismus..." Dann folgt der weitere Verlauf des Gespräches über dieses Problem.