Es wäre doch gelacht, wenn in einer Gesellschaft, die sich für die schönen Künste interessiert, nicht auch die neueste Luftpiratengeschichte unter künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet würde. "Große Oper"! sagte einer. Aber uns anderen kam dieses Wort frivol und zynisch vor.

Zugegeben: Wenn heutzutage fast alles, was der Rede wert ist, vom Fernsehen übertragen wird, so wird es dort auch von Musik begleitet. Ferner zugegeben: von einer Musik, die nicht immer paßt. In glasklare Ton-Elektronik, die der Vorstellung von großer Höhe und von schauerlicher Leere entspricht, mischen sich Beethovensche Baßläufe und Synkopen, die der Spannung, der Angst und dem Leid Ausdruck verleihen.

"Und kam nicht zu guter Letzt ein großer Bums? Sehen Sie, meine Herren: Der Bums könnte von Wagner sein! Götterdämmerung. Walhalla in Trümmern."

"Zu guter Letzt" hat unser Zyniker gesagt? Ja, es müsse der Hinweis gestattet sein, daß diese Oper zwar die äußeren Erscheinungsformen der Moderne gehabt habe, Düsenmotoren, Flugzeugkabine, Radargeräte, Stimmen unsichtbarer Akteure und so weiter, aber ihrer Dramaturgie hätten klassisch-heroische und moralische Züge ebenso wenig gefehlt wie romantische.

Moralische Züge? Das sei doch des Teufels! so entrüsteten wir uns gegenüber diesem unserem Opernführer. Er möge gefälligst bedenken, daß es sich um eine höchst verbrecherische, zutiefst abscheuerregende Entführung gehandelt habe.

"Ein altes, abgeschmacktes Thema – die Entführung!" so korrigierte er uns unerschütterlich. "Moralisch im Stil der guten alten Oper ist es, daß die Bösewichte sterben, die unschuldigen Opfer aber leben."

Doch romantisch? Was sollte romantisch gewesen sein?