Von Ben Witter

Um Prominente, die einst Schlagzeilen machten, um die es dann aber still geworden ist, geht es in dieser Artikelserie. Ben Witter besuchte Karl Schiller, Eugen Gerstenmaier, Ruth Leuwerik, Toni Sailer, Oswalt Kalle und sprach diesmal mit Erich Mende.

Steil führt der Weg auf Erich Mendes Hanggrundstück in Bad Godesberg, am Stadtwald, nach oben. Ich ging auf dem grasbewachsenen Mittelstreifen, wo meine Schuhe gerade nebeneinander paßten; zu beiden Seiten liegen Steinplatten, aber sie waren vom Regen rutschig geworden.

Zwei Schäferhunde bellten, der eine ist dreizehn Jahre alt und blind, und der andere ist zwei und paßt auf, daß der blinde nicht irgendwo gegenstößt. Am Mansardenfenster stand der jüngste Sohn; seine Haare nicht ganz so lockig wie die seines Vaters, und Frau Mende sagte: "Ich bin Hamburgerin, und Erich und ich wurden am 14. August 1948 in Hamburg-Uhlenhorst getraut, Sie sind doch auch Hamburger."

Erich Mende fing einen Blick seiner Frau auf, und beide strahlten gleichzeitig. Der blinde Hund hob den Kopf und schnupperte.

"Und ich war immer gesund und bin es heute noch", sagte Erich Mende, "ich schwimme, reite und fahre Rad. Bei unserer Trauung wog ich 150 Pfund, jetzt sind es 180, und ich bin 1,78 m groß ... nein, Margot, nicht 1,80, es steht doch in meinem Wehrpaß; und du hast Überdruck, und ich habe Unterdruck, deshalb trinke ich auch öfter einen Kognak... Ich bin genau 20 Pfund zu schwer ... Als Gesamtdeutscher Minister flog ich im März 1954 immer von Bonn nach Berlin, und es mag außer der physischen Belastung und der Zugluft auf den Flughäfen die Enttäuschung über das Verhalten der Ostberliner Regierung in der Passierscheinfrage gewesen sein: nach einer Rede vor 3000 Studenten warf mich eine Lungenentzündung ins Bett. Das war die einzige Krankheit meines Lebens. Und zweimal war ich im Krieg schwer und einmal war ich leichtverwundet. Ich bin dreißig Prozent schwerbeschädigt..."

Erich Mende wollte weiterreden, aber Frau Mende brachte den Kaffee und setzte sich und schickte die Hunde raus, und ich sagte: "Sie waren also immer gesund, und auf dem Gymnasium in Groß-Strelitz waren Sie Primus, und als Offizier waren Sie es auch, und bei der FDP waren Sie es für Ihre Wählerinnen..."