Die Bundesregierung will gegen den Mißbrauch der Transitwege im Berlinverkehr vorgehen. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost wies Staatssekretär Grabert darauf hin, wer mit den Transitmöglichkeiten Mißbrauch treibt, müsse nach Artikel 17 des Transitabkommens "mit Gegenmaßnahmen der Bundesregierung rechnen". Dies liege vor allem im Interesse der Westberliner. "Wir können nicht auf der einen Seite von der DDR verlangen, das Abkommen zu respektieren, wenn wir nicht bereit sind, es auch genau einzuhalten", meinte der Staatssekretär.

Im Artikel 17 des Abkommens zwischen den Staatssekretären Bahr und Kohl hat sich die Bundesregierung verpflichtet, "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" einen Mißbrauch der Transitwege zu verhindern. Unabhängig davon sollen Straftatbestände rigoros verfolgt werden, die – wie beispielsweise Paßfälschungen – bei Fluchthilfeaktionen begangen werden.

Die immer offenere Tätigkeit von Fluchthilfeunternehmen war jüngst von der Ostberliner Nachrichtenagentur ADN kritisiert worden. Eine neue generelle Verschärfung der DDR-Kontrollen auf den Zugangswegen nach Berlin wird in Bonn daher nicht mehr ausgeschlossen; um so mehr, als sich unter den über 2900 Flüchtlingen seit Januar 1973 rund 150 Ärzte befinden, deren Abwanderung für die DDR einen gravierenden Verlust bedeutet.