Drei Jahre nach den spektakulären Fondspleiten droht der amerikanischen Investmentindustrie eine Existenzkrise. Die Kunden laufen ihr davon. Im vergangenen Jahr gaben sie für 1,6 Milliarden Dollar mehr Anteile zurück als sie neue hinzukauften. Zusätzlich zehrt die Wall-Street-Baisse an den Fondsvermögen.

Die These der Investmentfonds, die mit dem Anspruch verkauft werden, daß professionelle Money-Manager mit einem Portefeuille ausgesuchter Wertpapiere leistungsfähiger arbeiten können als ein individueller Anleger mit seinen Aktien, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteile Von über 500 US-Fonds vermochten 1972 nur fünf besser abzuschneiden als der Dow-Jones-Index.

"Die Fondsindustrie, wie wir sie heute kennen, wird in einigen Jahren wahrscheinlich verschwunden sein", meint Donald Pitt, Präsident des bekannten Wiesenberger Financial Services für Fondsanalysen. Die Fonds haben versagt. Statt sich um langfristigen Wertzuwachs zu kümmern, verwandelten sie etliche Fonds in Spielwiesen für Spekulanten. Fondsanteile unterschieden sich in nichts von instabilen Aktien, die bei den kleinsten Schwierigkeiten ins Wanken geraten.

Hart betroffen sind vor allem die einst so populären "Performance"-Fonds vom Schlage des Enterprise, Manhattan, Mates, Neuwirth oder Gibraltar Growth Fund. Jerry Tsai, "Prinz von Wall Street" (Wall-Street-Journal von 1967), der seinen Manhattan-Fonds innerhalb weniger Monate aus der Anonymität zu einem 500-Millionen-Dollar-Fonds hochpäppelte, verließ Anfang dieses Jahres sang- und klanglos das Management. Der Fonds, der noch vor wenigen Jahren stets unter den ersten drei auf der Performance-Liste von Arthur Lipper anzutreffen war, ist heute nicht einmal unter den ersten 500 zu finden; sein Vermögen ist auf 143 Millionen Dollar heruntergewirtschaftet.

Während der Börsenkrach von 1929 den US-Aktienmarkt für fast drei Jahrzehnte seiner Attraktivität beraubte, scheint die Börsenbaisse von 1970 ähnliches – zumindestens für die Investmentfonds – bewirkt zu haben. Lösungsmöglichkeiten sind nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Diskussion um die Verkaufsspesen, deren Höhe in der Regel bei 8,5 Prozent liegt, heizt den öffentlichen Ärger an. Anleger weigern sich, die hohen Gebühren zu bezahlen, Verkäufer sind nicht bereit, Fonds für geringere Provisionen zu vertreiben, und die Fondsverwaltungen können mit geringeren Spesensätzen offensichtlich nicht kostendeckend kalkulieren; eine ausweglose Situation. jfr.