Seit Englands seetüchtiger Premier Ted Heath mit der "Morning Cloud" dem Admiral’s Cup weltweite Popularität eingebracht hat, erfreut sich diese Regattaserie vor Südengland auch bei den deutschen Hochseeseglern engagierter Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren triumphierte das britische Team vor den Amerikanern und Australiern im "Battle of Solent" und die Deutschen segelten mit einem neunten Rang einmal mehr hinterher. Hochseesegeln ist Leistungssport geworden, kein maritimes Vergnügen wie zu Kaisers Zeiten mehr. Gesellschaftlicher Ehrgeiz läßt sich auf den "Rennmaschinen", die Kurs auf den Admiral’s Cup im August nehmen, nur noch mit Mühe bewältigen. Wer immer an Bord dieser aufwendigen Hochseejachten seinen Platz gefunden hat, für den gilt das Wort des renommierten Seglers Hans Beilken, der zur Crew der "Carina III" gehört: "Früher war’s vielleicht des Kaisers Sport – heutzutage ist Seesegeln Leistungssport. Früher zog man bei Atlantikrennen nachts die Spinnaker ein. Heute segeln auch die großen Jachten über den Atlantik wie die Olympioniken über den Dreieckskurs. Es gibt nur einen Unterschied: Das eine dauert drei Wochen, das andere drei Stunden."

Hans Beilkens Satz gilt für alle großen Hochseeregatten, vor allem aber für die inoffizielle Weltmeisterschaft der Hochseesegler, den Admiral’s Cup. Der finanzielle und sportliche Aufwand, der um diesen Nationenpreis in diesem Jahr getrieben worden ist, ist einfach nur noch erstaunlich zu nennen. In ganz Europa hatten die einschlägigen Werften Hochbetrieb. Denn die Branche war sich einig: Nur neue Rennjachten – zugelassen zum Admiral’s Cup sind Schiffe von 29 bis 45 Fuß nach der neuen Vermessungsformel Mark III IOR – haben vor Cowes eine Chance, Die besten Werften und die bewährtesten Konstrukteure – im Zweifelsfalle wie immer Dick Carter einerseits und Sparkmann & Stephens andererseits, beide USA – wurden beschäftigt. Bei de Dood in Bremen entstand die 13,40 m lange, 4,25 m breite Carter-Jacht "Carina III" des Aachener Sportfliegers, Hochseeseglers und Schokoladenfabrikanten Dieter Monheim.

Auf der "Overijsselse Jachtwerft (rpt Jachtwerft) Wolter Huisman" im niederländischen Vollenhove wurde die feuerrote Aluminiumjacht "Saudade" des Hamburger Kaufmanns Albert Bull gebaut, 14,50 m lang, konstruiert von Sparkmann & Stephens, mit Instrumenten und Meßgeräten wie ein Rennwagen bestückt. "Diese Jacht ist von der Konstruktion her das Neueste und, wie wir hoffen, auch das Beste", prophezeite Skipper Berend Beilken, der jüngere der beiden hochseebewährten Segelmacher aus Lemwerder an der Unterweser, schon im Frühjahr – und sollte (bislang) recht behalten. Auf Carters Vertragswerft in Griechenland wurde die "Saphir" der Bremerhavener Eigengemeinschaft mit Skipper Manfred Seithe gebaut, in England die "Windliese XII" des Rendsburgers Paul Entz von Zerssen und auf der Burmester-Werft in Bremen die 15 m lange "Rubin IV" des Hamburgers Hans-Otto Schümann, der von sich und seiner Crew behaupten darf, sich schon früher als alle anderen für den Admiral’s Cup engagiert zu haben. Allerdings ging es auch Hans-Otto Schümann und seinen Mannen bislang nicht besser als allen anderen Deutschen: Seit 1963 – so lange sind Crews der Bundesrepublik beim Admiral’s Cup mit von der Partie – wurde gewöhnlich brav hinterhergesegelt.

Und weil man meint, allmählich genug oder gar viel zuviel Lehrgeld gezahlt zu haben, arrangierte sich die Zunft. Mit viel Kapital und erstklassigen Männern. Das eine war so notwendig wie das andere. Denn zum Admiral’s’ Cup gehört Teamarbeit – im kleinen wie im großen. Jede der meist neun- bis zehnköpfigen Crews muß eine Einheit sein. Drei Jachten aber sind ein Team. Und achtzehn Nationen werden im August vor der Küste Südenglands erwartet. So gut wie jede dieser "Rennmaschinen" aber wird ein Neubau sein; Auch Premier Ted Heath hat sich eine neue "Morning Cloud" bauen lassen. Berend Beilken sagt es so: "Das wird die teuerste Sportveranstaltung des Jahres 1973." Sein Wort hat die Runde gemacht und ist nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Denn die meisten Eigner dieser aufwendigen schnellen Hochseejachten begegnen dem Vorwurf, einem zu kostspieligen Sport zu huldigen, mit Leidenschaft. Im Gegensatz zu jenen Millionären, die sich andere teure "Spielzeuge" wie Rennwagen oder Pferde erlauben, sind Manner wie Hans-Otto Schümann, Albert Bull oder Dieter Monheim selber hervorragende Segler; meist sind sie sogar Skipper an Bord. Um nicht ins Zwielicht öffentlicher Kritik zu geraten, sprechen sie nicht gern über die Kosten, über die oft eine halbe Million Mark teuren (oder noch teureren) Jachten.

Das ist in England, Australien oder Neuseeland allerdings anders. Dort fiebern Millionen mit, wenn die großen Regatten gesegelt werden. Auch im August wird’s nicht anders sein, wenn die Cowes Week mit dem Admiral’s Cup den Engländern ins Haus steht. Nicht zuletzt dank Ted Heath. Er hat nicht nur den Admiral’s Cup populär gemacht, sondern das Hochseesegeln im allgemeinen – und sich selber dazu. Das Channel Race, ein Dreieckskurs über 250 Seemeilen im Englischen Kanal – der Name sagt es – mit Start und Ziel in Portsmouth, zwei Tagesfahrten von Cowes aus auf dem Solent von jeweils 35 Seemeilen und das berühmte Fastnet-Race über 605 Seemeilen, das am 11. August gestartet wird Und Europas längstes Hochseerennen ist – das alles zusammen nennt sich Admiral’s Cup. Oder auch "Battle of Solent" im Jargon der Zunft, die mit Argusaugen das Engagement der Deutschen verfolgt hat.

Die rote "Saudade", von den deutschen Hochseeseglern mit wenig Respekt auch "Rote Sau" genannt, wobei der Neid ob der Erfolge dieses imponierenden Schiffes sicherlich auch etwas Pate gestanden hat, die "Rubin IV" und die "Carina III" haben sich in sieben Regatten vor Hebgoland und Kiel als die Besten herausgeschält.

Denn das war neu in der Branche: Schon zu Ostern, bei Schnee und Eis, hatten die Männer, die im August um den Admiral’s Cup segeln, in der Kieler Förde trainiert. Wochenlang. Dergleichen gab’s bislang nicht. Der 1958 gestiftete. Admiral’s Cup – benannt nach Admiral Sir Miles Wyatt vom renommierten Royal Ocean Racing Club (RORC) – hat auch aus deutschen Hochseeseglern Hochleistungssportler gemacht. Und dies auch ohne Sporthilfe. Karl Morgenstern