Zu einem beispiellosen Verfassungskonflikt in der fast 200jährigen amerikanischen Geschichte ist es gekommen, nachdem Präsident Nixon nach der Legislative – dem Kongreß – auch die dritte Gewalt im Staate, die Judikative, herausgefordert hat. Nixon weigerte sich gegenüber dem Watergate-Ausschußvorsitzenden Ervin und dem Sonderstaatsanwalt Cox, fünf Tonbänder herauszugeben, aus denen nach Aussage seines früheren Rechtsberaters Dean hervorgehen soll, daß er von den Vertuschungsversuchen seiner Mitarbeiter gewußt habe. Ervin und Cox haben daraufhin den Präsidenten vor dem Bezirksgericht verklagt.

Nixon ist zunächst vom Gericht aufgefordert worden, bis zum 7. August zu erklären, warum er dem Senatsausschuß nicht erlauben will, die für die Aufklärung des Watergate-Einbruchs vermutlich wichtigen Dokumente zu prüfen. Senator Ervin erklärte dazu, es sei entscheidend festzustellen, "ob der Präsident jenseits des Gesetzes steht und aller Pflichten und Verantwortungen enthoben ist, die jedem Sterblichen in diesem Lande auferlegt sind".

Nixon dagegen beharrt auf seinem Standpunkt, er müsse das Recht des Präsidenten zur Geheimhaltung seiner Unterlagen wahren. Er sei zwar bereit, sich dem endgültigen Spruch des Obersten Gerichts zu beugen, er sei auch bereit, Einsicht in gewisse Dokumente zu gewähren, aber es könne niemand von ihm verlangen, daß er seine Mitarbeiter sich durch "Tausende von Dokumenten" durcharbeiten ließe, damit entschieden werden könne, welche für den Watergate-Fall wichtig sein könnten.

Um so überraschender ist in diesem Zusammenhang die Aussage des ehemaligen Stabschef des Weißen Hauses, Haldeman, der jetzt vor dem Ausschuß erklärte, er habe "auf Wunsch des Präsidenten" im Weißen Haus und in seinem eigenen Haus "kürzlich" zwei Tonbänder von umstrittenen Gesprächen im Büro Nixons abgehört. Unter Berufung auf diese Tonbänder widersprach Haldeman der Aussage des Ex-Rechtsberaters Dean, er sei am 15. September 1972 für die gute Arbeit bei der Vertuschung des Skandals gelobt worden.

Die Tatsache, daß Nixon diese angeblich entlastenden Tonbänder wohl Haldeman, nicht aber dem Untersuchungsausschuß und dem Sonderstaatsanwalt zur Verfügung stellt, hat in der amerikanischen Öffentlichkeit noch mehr zu der Vermutung geführt, daß der Präsident etwas zu verbergen habe.

Dennoch behauptete Nixons ehemaliger innenpolitischer Chefberater Ehrlichman während seiner fünf, von zunehmend feindseliger Atmosphäre gekennzeichneten Auftritten vor dem Ausschuß, der Präsident wie auch er selber hätten nichts vom Watergate-Einbruch und den Vertuschungsversuchen gewußt. Nicht erklären konnte er allerdings, warum er und Haldeman dennoch wegen Watergate auf ihrem Abschied bestanden.

Ehrlichman bestritt auch die Behauptung Deans, diesen seinerzeit beauftragt zu haben, kompromittierende Dokumente des Watergate-Hauptangeklagten Hunt in den Fluß zu werfen. Im übrigen aber seien zum Schutze der nationalen Sicherheit alle Methoden gerechtfertigt.

Senator Ervin erwiderte darauf, daß der Schutz des Individuums eines der kostbarsten Bestandteile des angelsächsischen Rechts sei. Auch ein Präsident habe sich an die Verfassung zu halten. Dies ist der Punkt, um den es bei dem Konflikt geht: Maßt sich der Präsident mehr Rechte an, als ihm nach der Verfassung zustehen?