Alljährlich in den Sommerferien entdecken die Großstädte ein Herz für die Kinder. Mit Ferienpässen, Ausflügen, Badetouren schaffen die Kommunen den Kindern ein sommerliches Paradies, das aber oft noch vor dem ersten Schulglockenzeichen wieder versinkt.

Die Bremer beispielsweise bieten ihren jüngsten Bürgern 20 Spielplätze an, auf denen sich jeweils ein Erzieher mit fünf oder sechs Helfern ein Programm ausdenkt. Kinder von Gastarbeitern finden in diesem Angebot Spielplätze, auf denen sie sich mit der Aufsicht in ihrer Heimatsprache unterhalten können.

Die Schwäche dieser Einrichtung in Bremen liegt in ihrer kurzen Lebensdauer: Nach fünf Wochen verlassen die Erzieher die Spielplätze. Ähnlich ist es in Stuttgart und München, die mit Ferienpässen experimentieren. Anders Hannover – dort werden die sogenannten Bauspielplätze das ganze Jahr über betreut, während der Ferien ist das Programm nur etwas abwechslungsreicher.

In ihrer Fürsorge für Kinder, die während der Ferien nicht verreisen können, gehen viele Kommunen noch weiter. Sie schießen nicht nur bei Ferienfahrten zu, sondern richten auch am Rande der Stadt Erholungszentren ein. Stuttgarts Stadtväter sind stolz, daß diese Art des Ferienvergnügens bei ihnen schon Tradition hat. Die Düsseldorfer fahren täglich mit Bussen in verschiedene Orte in die nähere Umgebung. Drei Wochen lang können sich die Kinder dort austoben.

Der eigenen Unternehmungslust und Selbständigkeit können Kinder frönen, denen ihre Heimatstadt einen Ferienpaß zur Verfügung stellt. 1,5 Millionen Mark beispielsweise gibt Hamburg für solche Pässe aus. Seit 1969 läuft die Aktion; aber zum erstenmal beschränkt sie sich in diesem Jahr nicht allein auf die Sommerferien, sondern schließt Frühlings- und Herbstferien mit ein. Etwa ein Drittel der sechs- bis fünfzehnjährigen Hamburger holte sich den kostenlosen Paß ab, das sind etwa 79 000 Kinder. Unentgeltlich können sie dann mit dem Ausweis in zwei Freibädern zum Schwimmen gehen. Um noch andere Vergünstigungen zu erhalten, müssen sie sich Wertmarken zwischen zwei und neun Mark kaufen.

Die Münchner Kinder müssen für ihren Ferienpaß eine Mark bezahlen. Dann aber können sie kostenlos ins Museum, in den Tierpark und durch den Botanischen Garten gehen oder sich Filme in den Freizeitheimen ansehen.

Einem schnellen Entschluß verdanken die Kinder in Hannover, daß sie schon in diesem Jahr einen Ferienpaß bekommen. Das improvisierte Programm enthält wegen der kurzen Vorbereitungszeit noch keine Ermäßigung auf den öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch all die angebotenen Vergnügungen, von Kursen im Rudern bis zu Besuchen im Zoo, sind kostenlos.