Rigorose Wachablösung im Modernen Fünfkampf der Bundesrepublik. Im Zeichen dieser Entwicklung verliefen in Heidenheim die Internationalen Deutschen Meisterschaften, die gleichzeitig als letzte Qualifikation für die Weltmeisterschaft im September in London galt. Keinem aus der erfolgreichsten deutschen Mannschaft aller Zeiten gelang es, sich erneut durchzusetzen. Elmar Frings, Walter Esser und Karsten Reder müssen sich auf ihren Lorbeeren, errungen mit der Bronzemedaille bei zwei Welttitelkämpfen 1969 und 1970 in der Mannschaftswertung, ausruhen.

Krankheit, berufliches Engagement, lückenhafte Vorbereitung haben das Trio zurückgeworfen und das Tor vor kaum bekannten Namen geöffnet Zwei Neulinge werden bei der Weltmeisterschaft 1973 ihre Chancen bekommen. Der neue Deutsche Meister Wolfgang Köpcke aus Berlin und Gerhard Werner aus München. Beide beschäftigen sich erst seit drei Jahren eingehend mit dem pentathlon moderne und gehören trotz ihrer 26 und 25 Jahre zu den Neuentdeckungen des neuolympischen Jahres, das gleichzeitig auch die erste Station auf dem Wege nach Montreal bedeuten soll.

Der hochgewachsene und sehr athletisch wirkende Wolfgang Köpcke gewann seinen ersten Meistertitel in imponierender Manier. In zwei Disziplinen sorgte er für persönliche Bestleistungen. Er schoß mit der Pistole glänzende 194 von 200 möglichen Ringen und schwamm über die 300-m-Strecke 3 : 47,8 Min. Das Gesamtergebnis des Berliner Polizeibeamten von 5075 Punkten kann sich auch international sehen lassen. Zwei routinierte Wettkämpfer vervollständigen den Weltmeisterschaftskader des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf. Heiner Thade und Hole Rößler, die bei den Olympischen Spielen in München mit Walter Esser zusammen nur einen enttäuschenden sechsten Rang belegten. Das sollte sich diesmal in London nicht wiederholen.

Die allgemeine Umwandlung und Wachablösung in fast jedem Land will das deutsche Team nutzen und hinter der UdSSR und Ungarn erneut die Vormachtstellung im Mannschaftswettbewerb sicherstellen. Für London heißt das Ziel wieder Bronzemedaille. Nach dem Rückfall von München würde eine solche Placierung die Arbeit des zahlenmäßig kleinsten Verbandes im Deutschen Sportbund wieder aufwerten, die Probleme dieses komplizierten Mehrkampfes in Erinnerung rufen und die nacholympische Müdigkeit, besonders in finanzieller Hinsicht, zerstreuen.

Mit der Fertigstellung des Bundesleistungszentrums in Warendorf wurde zwar ein wichtiger Schritt getan, doch die Entwicklung darf dabei nicht stehenbleiben. "Wir brauchen regionale Zentren und qualifizierte Lehrkräfte, um die Jugend für eine solche kraft- und energieraubende Disziplin zu begeistern", sagt der neue Bundestrainer Herbert Rieden.

Fast sechs Monate lang arbeitete er ohne finanzielle Grundlage und ohne Vertrag, weil seine Akten im Bundesinnenministerium nicht rechtzeitig bearbeitet wurden. Auch die kurzfristige Streichung eines schon zugesicherten Bundesjugendsekretärs beklagt der Verband. Das Familienministerium bezog sich auf die nötigen Einsparungen und strich die Planstelle. Der dafür vorgesehene Mann jedoch traf inzwischen in Warendorf ein. Wie schon so oft in der Vergangenheit sprang die Stadt in die Bresche und streckte das nötige Geld vor.

Der Bundestrainer ist gleichzeitig ein ausgebildeter Reitlehrer und kümmert sich so neben der Koordinierung um eine Disziplin, die stets die Achillesferse der deutschen Fünfkämpfer war. Der ehemalige ungarische Olympiasieger Gabor Benedek steht zwar im Dienste des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, doch als versierter Fechtmeister kommt er auch dem Nationalkader zugute.

Auf diese Zusammenarbeit stützt sich wohl auch die Risikofreudigkeit der Verbandsführung, die jetzt mutig neuen Kräften den Vorrang gab. London kann die Richtigkeit dieses Schrittes bestätigen. Stefan Lázár