Ein sizilianischer Bäckermeister gehörte zu den ersten Opfern der italienischen Bemühungen um stabilere Preise. Er würde zu 2500 Mark Geldstrafe verdonnert, weil er sein Gebäck teurer verkauft hatte, als das Gesetz erlaubte. Seit dem 28. Juli gilt nämlich in Italien ein zunächst auf drei Monate befristeter Preisstopp für wichtige Konsumgüter, vor allem Lebensmittel. Allerdings waren bestimmte Nahrungsmittelpreise auch schon bisher eingefroren.

Neben dem desolaten Zustand der Lira und dem anhaltenden Devisenabfluß macht dem neuen Kabinett Rumor vor allem. die Preisentwicklung Sorgen. So stiegen die Großhandelspreise allein im Juni um 2,3 Prozent; im Einzelhandel kosteten die Waren Ende Juni 11,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Ein Preiskomitee beim Industrieministerium, das bald von 15 auf 300 Beamte aufgestockt werden soll, wird auch die Preise von Industrieprodukten unter die Lupe nehmen; denn auch sie dürfen nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung Roms heraufgesetzt werden. Gleiches gilt bis zum Jahreswechsel für Wohnungsmieten; sogar beim Mietwechsel.

Die Preisstopp-Vorschriften müssen zwar noch vom Parlament gebilligt werden, sie sind jedoch bereits gültig. Und wer sich der römischen Blockade nicht fügen will, muß mit drastischen Strafen rechnen – im Höchstfall sechs Jahre Gefängnis. Doch dies schreckt Italiens Industrielle und Händler weniger als die Aussicht, daß der Stopp nicht wie vorgesehen Ende Oktober wieder aufgehoben wird. smi