Von Detlev Karsten

Das Hauptargument gegen einen Preis-/Lohnstopp ist, daß in einer/Wirtschaft wie der unseren die freie Preisbindung wesentliche Lenküngs- und Koordinationsfunktionen hat: durch Preisfixierung wird aber dieser Mechanismus außer Kraft gesetzt. Insbesondere zeigt der im Ausgleich von Angebot und Nachfrage zustande gekommene Preis den Grad der Knappheit des jeweiligen Gutes an.

Ein unter dem Gleichgewichtspreis liegender Höchstpreis – und nur diese Festlegung kommt in Betracht – hätte die Folge, daß zu diesem Preis höhere Mengen nachgefragt würden, gleichzeitig aber geringere Mengen angeboten würden, als es für die Gleichgewichtssituation zuträfe. Hieraus resultieren Verknappungserscheinungen, schwarze Märkte und Verzerrungen der volkswirtschaftlichen Produktionsstruktur.

Grundsätzlich das gleiche gilt für die Löhne; ein Preisstopp ist nur dann durchzuhalten, wenn die Löhne als entscheidendes Kostenelement fixiert werden. Aber auch die Lohnbildung hat die Funktion, Arbeitskräfte in diejenigen Wirtschaftszweige und Unternehmen zu lenken, in denen sie volkswirtschaftlich am sinnvollsten eingesetzt sind. Ein Außerkraftsetzen dieses Mechanismus führt zu einer Behinderung notwendiger Anpassungen.

Die Erfahrungen, die nach 1936 – nach dem Erlaß des allgemeinen Preis-/Lohnstopps – gesammelt wurden, bestätigen diese Befürchtungen: Mangelwirtschaft, Rationierung, durch die das Geld weitgehend funktionslos wurde, staatliche Lenkung der Produktion und eine zurückgestaute Inflation sind Erscheinungen, die den Horror vor allem der Neoliberalen vor derartigen "nicht marktkonformen" Maßnahmen zu rechtfertigen scheinen.

Neben diesem ordnungspolitischen Argument werden gegen den Preis-/Lohnstopp vorgebracht:

  • die Schwierigkeiten der administrativen Durchsetzbarkeit, wobei darauf hingewiesen wird, daß eine Überwachung von Lohntarifen zwar zu verwirklichen ist, daß jedoch eine Kontrolle der Preise wegen der vielfältigen Möglichkeiten "versteckter" Preiserhöhungen (vor allem dadurch, daß bei geringfügigen Produktionsänderungen der Preis erheblich erhöht wird) nicht durchführbar sei;
  • die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Verschärfung des Preisanstiegs als Folge einer ernsthaften Erwägung eines Preis-/Lohnstopps durch die Regierung – aus rechtlichen Gründen komme aber ein schlagartiges Einfrieren der Preise und Löhne oder eine Rückwirkung nicht in Frage ("Ankündigungseffekt");
  • die Notwendigkeit, Ausnahmen zuzulassen für die Weitergabe von gestiegenen Kosten vor allem importierter Güter machten gerade für ein stark mit dem Ausland verflochtenes Land einen Preis-/Lohnstopp praktisch undurchführbar;
  • weil sich während eines Preis-/Lohnstopps eine Umverteilung des Einkommens zugunsten der Gewinne ergeben würde, da der Produktivitätsanstieg in Form von Kostensenkungen allein den Unternehmern zugute komme, sei das erforderliche Stillhalten der Gewerkschaften nicht zu erreichen.