Der Steiner-Untersuchungsausschuß des Bundestages wird seine Arbeit vermutlich erst im Spätherbst abschließen können, da er seine Untersuchungen auf die Übertritte von Abgeordneten während der vorigen Legislaturperiode ausgedehnt hat und außerdem interne Auseinandersetzungen einen zügigen Fortgang lähmen. Der ehemalige CDU-Abgeordnete Steiner soll am 8. August vor dem Ausschuß gehört werden; am 9. August wird der FDP-Abgeordnete Geldner befragt. Nach einer dreiwöchigen Pause ist für September die "Woche der Gegenüberstellungen" geplant, um aktenkundige Widersprüche aufzuklären.

Der erste interne Streit entzündete sich, weil der Ausschußvorsitzende Schäfer (SPD) versehentlich seinen Kollegen nicht mitgeteilt hatte, daß die Bundesanwaltschaft gegen Steiner wegen Verdachts nachrichtendienstlicher Tätigkeit ermittelt. Das stellvertretende Mitglied Reddemann (CDU) ließ den Verdacht anklingen, Schäfer und Bundesjustizminister Jahn hätten hier Hand in Hand gearbeitet. Der SPD-Politiker empfand diese Veröffentlichung als Beleidigung; die Differenzen wurden in einer Sitzung schließlich beigelegt.

Der zweite Streit brach am Wochenende aus. Schäfer hat nach einer Äußerung gegenüber dem Spiegel schon am Tage des Mißtrauensvotums erfahren, daß Steiner nicht für Barzel gestimmt hatte. Die Opposition gab daraufhin bekannt, sie werde prüfen, ob Schäfer künftig nicht als befangen abzulehnen sei. Zwar beteuert die Union, sie wolle den Ausschuß nicht sprengen, die Stimmung ist aber gereizt.

Sachlich ist der Ausschuß kaum weitergekommen. Die Zeugen der vergangenen Woche haben Wienands Behauptungen gestützt, er sei am Tage des Mißtrauensvotums nicht in seinem Zimmer gewesen, wo Steiner von ihm 50 000 Mark empfangen haben will. Andere Zeugen vertieften Zweifel an der Aussage Steiners, er sei schon lange ein Befürworter der Ostverträge gewesen. Auch die Aussagen des ehemaligen Abgeordneten über die Umstände seiner "Offenbarung" vor Spiegel-Redakteuren wurden von den betroffenen Journalisten bestritten. FDP-Politiker bezeugten vor dem Ausschuß, daß Steiner zeitweilig an ein Hospitantenverhältnis bei der FDP gedacht habe; ihm seien aber weder ein Mandat noch finanzielle Hilfe zugesagt worden. Diese Aussagen wichen ebenfalls von Steiners Darstellung erheblich ab.

Einen Hauch von Watergate bekam die Bonner Szene durch den – inzwischen widerlegten – Verdacht der Sekretärin Wehners, der Panzerschrank des SPD-Fraktionsvorsitzenden sei gewaltsam geöffnet worden. Der Panzerschrank wurde zur Untersuchung nach Wiesbaden ins Bundeskriminalamt gebracht.