Baden-Baden

Der Baden-Badener Taxi-Krieg ist mit einem Unentschieden abgebrochen worden. Der Anlaß war die starre Haltung eines Taxi-Fahrers, der sich geweigert hatte, einen "Volltrunkenen" zu befördern.

Durch eine Glosse in der Baden-Badener Lokalzeitung wurde dieser Vorfall bekannt. Die kurstädtische Taxi-Vereinigung stellte sich daraufhin vor den Nein-Säger. Mit dem Hinweis auf Paragraph 6, Absatz 1 der Droschkenordnung ("Der Fahrer ist nicht verpflichtet, betrunkene Personen zu befördern") glaubte sie, die Angelegenheit aus der Welt geschafft zu haben.

Baden-Badens Gastronomen und Barbesitzer reagierten nun in einem Leserbrief ausgesprochen sauer. Sie stellten die Frage, welche Qualifikation ein Taxi-Fahrer besitze, um den Trunkenheitsgrad eines Fahrgastes präzise feststellen zu können. Darauf wußte auch die Taxi-Vereinigung keine klare Antwort: "Es lag nicht in unserer Absicht, Fahrgäste oder Gäste von Baden-Baden zu klassifizieren. Wir haben lediglich den Unterschied zwischen einem angeheiterten und einem volltrunkenen Fahrgast herausgestellt. Daß es hier einen Unterschied gibt, ist eine Binsenwahrheit. Hier eine echte Grenze zu ziehen, ist ein echtes Problem!"

Der Taxi-Krieg erreichte schließlich die Ebene der Kurpolitik. Die erzürnten Gastwirte empfahlen der Kurdirektion, die Werbung für Baden-Baden durch folgenden Hinweis in den Prospekten zu ersetzen: "Achtung! In Baden-Baden trinken Sie auf eigene Gefahr. Wenn Sie trinken, dann trinken Sie bitte nur Wein, denn als Weintrinker haben Sie die Chance, von einem Taxi nach Hause gebracht zu werden. Sollten Sie irgendwann besonders viel trinken, benutzen Sie bitte Ihren eigenen Wagen. Unsere leistungsfähige Polizei bringt Sie nach einem Unfall gern nach Hause!" Die Taxi-Fahrer konterten: "In keinem Werbeprospekt Baden-Badens ist uns bisher aufgefallen, daß Volltrunkene hier besonders willkommen seien!"

Jetzt ist wieder Ruhe im nächtlichen Baden-Baden eingekehrt. Die Taxi-Fahrer hoffen, daß ihnen die Einführung der 0,8-Promille-Grenze ihre Aufgabe etwas erleichtert. Warum – das ist freilich nicht so recht ersichtlich.

Erich Braxmaier

Redakteur des "Badischen Tagblatts"