Von François Bondy

Von 78,4 Prozent der wahlberechtigten Griechen ließ sich Oberst Georgios Papadopoulos am Wochenende zum Präsidenten mit siebenjähriger Amtszeit machen und die Junta, die sogenannte Revolution, innerhalb der neuen Republik fest verankern. Stimmenthaltung beim Referendum war verboten, die geheime Abstimmung nur in den großen Städten möglich. Das Ergebnis stand schon vorher fest:

Athen, im August

Wie bei allen Organisationen und Veranstaltungen von Berufsverbänden im ganzen Land wird das griechische Volk mit Begeisterung seine Zustimmung geben für die Etablierung der Republik in Griechenland, der Wiege der Demokratie. Es kann als sicher angesehen werden, daß die überwiegende Mehrheit des griechischen Volkes ‚ja‘ sagen wird zur Änderung, und Georgios Papadopoulos als den ersten Präsidenten – für eine einmalige siebenjährige Amtszeit – für die neue parlamentarische Präsidialdemokratie wählen wird."

Das konnten die Touristen in den drei Sprachen der Zweiwochenschrift "Athen" lesen. Die Gewißheit, mit dem hier das "Ja" vorausgesetzt wurde, mochte jene Gäste beruhigen, die für ihre Ferien keine politischen Unruhen wünschen. Das "Ja", für das Papadopoulos sich in unzähligen Plakaten "an das Herz des Volkes" wendete, war auch abgesehen von den Stimmungen dieses kapriziösen Organs wohl abgesichert.

Obwohl viele noch weithin bekannte Politiker auch der Rechten und der Mitte für das Nein eintraten, war kein Plakat, keine öffentliche Kundgebung, keine Zeit im Radio und Fernsehen dem Nein-Lager erlaubt gewesen. Der Wahlkampf wurde – auf Kosten der Steuerzahler – nur für das Ja geführt. Was blieb den Gegnern? Drei große Athener Zeitungen: Vradyni, der Rechten, die sich am entschiedensten einsetzte, Vima und Neu des Zentrums, Pressekonferenzen des früheren Premierministers Kanellopoulos im Hilton-Hotel – und Erklärungen für ausländische Radiostationen.

Während seiner Pressekonferenz am Vorabend der Wahl wurde Informationsminister Stamatopoulos von einem Journalisten gefragt, warum die Nein-Parole im Wahlkampf nicht zugelassen war. Der Minister antwortete zornig, so schnell und laut sprechend, daß die Simultanübersetzung kaum mehr verständlich war, die Gegner hätten viel mehr Erklärungen abgegeben als die Regierung, und sie hätten über die BBC und andere ausländische Sender verfügt. Als darauf der Vertreter der BBC sagte, er hätte den Minister selber mindestens zehnmal um ein Interview gebeten, entgegnete Stamatopoulos, er habe einem derart tendenziösen Sender nicht auch noch ein Alibi liefern wollen. Von Papadopoulos, dessen Bild hunderttausendfach – auch auf allen Schiffen – ausgestellt war, erklärte der Minister, der, Präsident sei "ein entschiedener Gegner des Persönlichkeitskultes". Ob Papadopoulos deshalb nur zu Reedern und andern Berufsgruppen, aber nie auf einer Massenveranstaltung zu den Athenern gesprochen hat?