Über Aufträge, so heißt es in Wetzlar bei dem renommierten Kameraproduzenten Leitz, könne man nicht klagen. Trotzdem bereitete das traditionsreiche Unternehmen (1925 wurde die erste Leica gebaut) seinen Mitarbeitern eine unangenehme Überraschung. 400 Angestellte und "Gemeinkostenlöhner" sollen in der nächsten Zeit das Unternehmen verlassen.

Als Grund für die unerfreuliche Mitteilung nannten die Leitz-Bosse "die jüngsten währungspolitischen Veränderungen". In der Tat ist Leitz in hohem Maß von den Einnahmen in ausländischen Währungen abhängig. Im vergangenen Jahr wurden 60 Prozent des Umsatzes (176 Millionen Mark) im Exportgeschäft erlöst. Für das Wetzlarer Unternehmen ist dabei der amerikanische Markt von größter Bedeutung.

Aber nicht allein die Exportabhängigkeit und die Mindererlöse durch die Aufwertung der Mark machen Leitz zu schaffen. Auch der hohe Anteil der Personalkosten bei der Fertigung optischer Geräte zwang zur Verminderung des Personalbestandes. Immerhin bezahlt Leitz 60 Prozent des Umsatzes in Form von Löhnen und Gehältern. Aus diesem

Grund wurde schon in der Vergangenheit versucht, Personal einzusparen, wo es nur möglich war.

Leitz versucht, den hohen Personalkostenanteil nicht nur durch Entlassungen zu senken. In Portugal soll noch in diesem Jahr ein Zweigwerk eröffnet werden, Die Leica wird allerdings weiterhin in Wetzlar gefertigt.

Aber nicht nur die Verlagerung einzelner Produktionszweige ins Ausland ist eine Möglichkeit, dem Kostendilemma zu entgehen. Im letzten Jahr verbündete sich Leitz, "so ziemlich als letzter der Branche" (Leitz-Sprecher Friedrich W. Cordt) mit der Minolta Camera Company, Osaka.

Damals hieß es zur Begründung dieses Schrittes, daß beide Unternehmen die "bestmögliche Nutzung ihrer Produkt tionsmittel anstreben". Inzwischen scheint die Zusammenarbeit zu einem fruchtbaren Ergebnis geführt zu haben. Für Ende August rechnet die Branche mit der Enthüllung eines Camera-Knüllers. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um ein neues Modell der mittleren Preisklasse. Dies, so Leitz im vergangenen Jahr, könne man in Deutschland nicht mehr kostendeckend herstellen. kde