Fünf Monate früher, als vom Gesetzgeber gefordert, verzichtete die deutsche Tochtergesellschaft des italienischen Fiat-Konzerns auf die Preisbindung. Seit 1. August gibt die Deutsche Fiat AG an ihre Händler nur noch Preisempfehlungen für Personen- und Lieferwagen.

Das Argument der Fiat-Manager ist einleuchtend: Sie fürchten, Kunden könnten sich jetzt vom Kauf eines neuen Wagens abhalten lassen, weil sie für nächstes Jahr, bei der endgültigen Aufgabe der Preisbindung, mit niedrigeren Preisen rechnen.

Nicht ohne Grund hat Fiat diesen Schritt vor den Konkurrenten getan. In der Zulassungsstatistik des ersten Halbjahres mußte die Heilbronner Handelsgesellschaft im Vergleich zum Vorjahr die stärksten Einbußen hinnehmen. Bei rund 69 000 zugelassenen Fahrzeugen lagen die Fiat-Händler um rund 20 Prozent unter den Zahlen des Vorjahres.

Freilich ist dieser Rückgang nicht allein Folge nachlassender Konsumentengunst. Die Fiat-Tochter hätte mehr Autos verkaufen können, wären die italienischen Produktionsbetriebe nicht von heftigen Arbeitskämpfen zeitweise lahmgelegt worden. Sie lieferten nicht genügend, um alle Nachfragen befriedigen zu können.

Die Konkurrenz will dem Schritt der Italiener nicht folgen: BMW, Ford, Opel und Volkswagen verkündeten vielmehr, daß sie an der Preisbindung bis zur letzten Minute, bis zum 31. Dezember festhalten wollen. Auch die Ausländer, Renault, Citroën und Daf, haben vorläufig keine Pläne, die Preisbindung vorzeitig aufzuheben.

Über die Auswirkungen der Freigabe von Autopreisen bestellen beim Handel unterschiedliche Meinungen. Während Werner Perino, Generaldirektor der Deutschen Fiat AG, mit leichten Preisrückgängen in den nächsten Monaten rechnet, meinen die Händler, daß für Preisnachlässe kein Spielraum bestehe.

Immerhin rechnet auch der Zentralverband des Kraftfahrzeughandels damit, daß es sich für die Autokäufer lohnen wird, Preisvergleiche anzustellen. Auf dem Lande, so nimmt der Verband an, werden vom nächsten Jahr an Neuwagen billiger zu kaufen sein als in Großstädten. Die Händler in der Stadt seien des höheren Lohnkostenniveaus wegen gegenüber Dorfhändlern im Nachteil. et