Zahlreiche Fleischfabriken haben ihre Tore geschlossen; Schlachthöfe gehen zur Kurzarbeit über. Hausfrauen stehen im Supermarkt vor leeren Kühltruhen; Rancher halten trotz des verbreiteten Fleischmangels ihre Rinder der Schlachtbank fern oder treiben sie als Scheinexport über die kanadische Grenze (siehe Seite 32). In New York und anderen amerikanischen Großstädten haben sich schwarze Märkte für Fleisch gebildet.

Diese, an die Begleiterscheinungen der Versorgungsengpässe in östlichen Planbürokratien gemahnenden Erscheinungen verdanken die Amerikaner dem Starrsinn ihres Präsidenten. Obwohl er wegen der drohenden Knappheit bei vielen Nahrungsmitteln den Preisstopp aufheben mußte, gilt er für Rindfleisch noch bis September – eine Maßnahme, für die Nixon von seinem eigenen Landwirtschaftsminister Earl Butz öffentlich kritisiert wurde. Das nahe Ende des Stopps vor Augen, warten viele Züchter mit dem Verkauf ihrer Rinder. Angesichts der hohen Futtermittelpreise haben sie wenig Lust, jetzt mit Verlust zu verkaufen.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal deutlich, welche Folgen punktuelle Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsablauf haben. Es zeigt auch, wie wenig ein Kurieren an den Symptomen der Inflation hilft. Moral: Auch niedrige Preise verlieren an Reiz, wenn es dafür nichts zu kaufen gibt. mj