Von der Devise "auf Schulden reitet das Genie zum Erfolg" sollten sich Unternehmer in diesem Jahr, nicht allzu viel versprechen. Denn wenn nicht alles täuscht, dürfte das Schuldenmachen in diesem Jahr seltener zum Erfolg führen. Bei Deutschlands Amtsgerichten herrscht zumindest ungewöhnliche Konjunktur.

Auch eine Erfahrung altgedienter Richter scheint sich in diesem Sommer nicht zu bestätigen. Während sonst in der warmen Sommerzeit weniger Unternehmen den Gang zum Konkursrichter anzutreten pflegten, ist in diesem Jahr die Vollbeschäftigung der Konkursrichter gesichert. Kenner der Materie halten 1973 für ein Boomjahr der Pleiten.

Der Trend zeichnete sich schon frühzeitig ab. Bereits im ersten Quartal dieses Jahres mußte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie eine erschütternde Feststellung machen: Gegenüber 1972 war die Zahl der Konkurse und Vergleichsverfahren um 38 Fälle auf 129 gestiegen. Das zweite Quartal wird mit Sicherheit mit noch düsteren Zahlen aufwarten. Denn inzwischen sind auch verschiedene Großunternehmen der Branche zahlungsunfähig geworden. Allerdings traf es in erster Linie die Glücksritter, die mit extrem wenig Eigenkapital und entsprechend hohen Schulden ihr Glück auf dem Baumarkt zu finden hofften.

Als Schuldige für ihre Pleiten haben die Unternehmer die Bundesregierung und die von ihr verfolgte Stabilitätspolitik erkannt. Doch der Vorwurf stimmt nur zum Teil. Seit drei Jahren steigt die Zahl der Firmenzusammenbrüche von Jahr zu Jahr. Schon 1971 wurde die Pleitenzahl des Krisenjahres 1967 (4437 Konkurse und Vergleichsverfahren) übertroffen. Im letzten Jahr meldeten die Konkursrichter gar 4575 Insolvenzen an das Statistische Bundesamt. ei