Verschiedene kleine Touristikveranstalter wie das Stuttgarter Hindenburgbau-Reisebüro oder Volksreisen in Frankfurt sind einmal als Busreiseunternehmen entstanden, haben sich aber in den sechziger Jahren Spezialgebieten wie der Vermittlung von Ferienwohnungen zugewandt oder sind, dem Zuge der Zeit folgend, auf Flugreisen umgestiegen. Nicht so das Reisebüro Ruoff in Stuttgart.

Vor fast einem halben Jahrhundert von Senior Richard Ruoff gegründet, stützt sich das Unternehmen noch immer auf ein zusehends expandierendes Busreisegeschäft. Ruoff veranstaltet in der Hochsaison mit 65 eigenen Bussen sowie 40 bis 50 gemieteten Fahrzeugen Studienreisen, Stadtreisen sowie kombinierte Informations- und Erholungsreisen in die meisten europäischen Länder. Der Omnibustourismus (etwa 45 Prozent des Gesamtumsatzes) übertrifft mit einem jährlichen Buchungsplus von durchschnittlich 25 Prozent die Zuwachsraten des Flugreisenprogramms (18 bis 20 Prozent), und es gibt für diese untypische Entwicklung kaum eine Erklärung.

Mit Ruoffs Chartermaschinen der Alitalia-Tochter SAM kommt der Reisende einmal wöchentlich schneller und bequemer nach Sardinien als im Linienverkehr. Denn die Chartervögel fliegen direkt. Im Liniendienst muß man in Mailand oder Rom umsteigen. Bei Ruoff gibt es ferner Direktverbindungen nach Neapel und den einzigen Direktflug von Stuttgart nach Rimini. Juniorchef Lothar Ruoff: "Weil ich meine, daß die Adria immer noch ein schönes Reiseziel sein kann ..." Von diesem Jahr an gibt es Direktflugverbindungen zwischen Stuttgart und Ischia.

Lothar Ruoff (der Vater kümmert sich um den Omnibusbetrieb, der Sohn um den Flugtourismus) hat die Chance des Regionalveranstalters gegenüber dem Großveranstalter erkannt: "Wenn Neckermann machen wollte, was wir hier machen, brauchte er in Stuttgart ein Verwaltungshochhaus." Und: "Es ist sicher kein Zufall, daß wir ein Angebot von erstklassigen Reisespezialitäten herausbringen." Zum Beispiel über Sardinien. Schwärmt der Junior: "Etwas herb, außerordentlich faszinierend, und zwischen den großen Felsformationen viele Sandbuchten."

Das Bettenangebot ist sehr groß. Zielorte der Charterflugreisen sind Alghero, Santa Teresa di Gallura und Aglientu mit einem Dutzend Hotels und dem Ferienzentrum Reina Majore. Die Flugreise (eine Woche Vollpension) gibt es ab 396 Mark bis (teuerstes Hotelangebot) 530 Mark; zwei Wochen: 548 Mark beziehungsweise 820 Mark; Verlängerungswoche ab 150 Mark; Saisonzuschläge zwischen 18 und 75 Mark.

Im Bustourismus ermöglicht ein Buchungsaufkommen von 50 000 einen Jahresumsatz von rund 18 Millionen Mark.

Aber Ruoff begnügt sich nicht mit Europa. Skifahrern bietet er Winterurlaub in Amerikas Rocky Mountains an: 16 Tage Halbpension in Doppelzimmern und Vier-Bett-Apartments zu Preisen um 2500 Mark. Es gibt kaum mehr als vielleicht 100 Buchungen in der Saison. Lothar Ruoff "Ich habe das alles nur gemacht, weil ich selbst Skifahrer bin." Im Spezialprospekt zeigt er sich den Interessierten im Bilde und redet sie gleich richtig an: "Hallo Skifreunde! Die blanke Neugierde brachte mich nach Colorado..."

bo