Das Weiße Haus mußte in der vergangenen Woche einen neuen Schlag hinnehmen: Gegen Vizepräsident Spiro Agnew wurde ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verletzung von strafrechtlichen Bestimmungen eingeleitet. Der Vizepräsident soll im Verdacht der Bestechung, der Erpressung und des Steuerschwindels stehen. Er soll diese Verbrechen während seiner Amtszeit als Gouverneur von Maryland in den Jahren 1967 und 1968 begangen haben. Agnew ließ zu den Beschuldigungen erklären, er habe Vertrauen in die amerikanische Justiz und sei zuversichtlich, daß seine Unschuld bestätigt werde. Die Untersuchung dieser Vorwürfe soll nicht dem Watergate-Sonderankläger Cox übertragen werden.

Der Watergate-Ausschuß unter Leitung des Senators Ervin will vorläufig darauf verzichten, Präsident Nixon auf gerichtlichem Wege zur Herausgabe von Tonbandaufzeichnungen und Dokumenten im Zusammenhang mit den Untersuchungen zu veranlassen. Zunächst soll die Erklärung des Weißen Hauses abgewartet werden, in der die Gründe Nixons für seine Verweigerung dargelegt werden, Tonbänder und Schriftstücke vorzulegen.

Als einer der prominentesten Zeugen war in der vergangenen Woche der ehemalige Stabschef des Weißen Hauses, Bob Haldeman, vor dem Ausschuß vernommen worden. Er bestätigte, daß er im vergangenen Jahr ein Wahlkampfbudget von 90 000 Dollar für sogenannte "schwarze Projekte" gebilligt hat.

Der ehemalige Justizminister Kleindienst sagte bei seiner Einvernahme vor dem Senatsausschuß aus, er habe knapp zwei Monate, nach dem Watergate-Einbruch den damaligen innenpolitischen Chefberater Nixons, John Ehrlichman, darauf hingewiesen, daß dieser sich einer Behinderung der Tätigkeit der Justiz schuldig machen könnte. Kleindienst will ferner mit seinem Rücktritt gedroht haben, falls Ehrlichman seine Einmischung in die richterliche Watergate-Unternehmung nicht aufgebe.