Bis zum Wochenbeginn hatten sich die deutschen Aktienkurse um sechs bis sieben Prozent von ihrem Juli-Tiefpunkt wieder erholt. Wenig spricht für eine weitere kontinuierliche Aufwärtsbewegung. Neue Ermüdungserscheinungen sind wahrscheinlich. Denn es fehlt allmählich wieder an anlagebereiten Mitteln. Sie werden erst nach und nach verfügbar, nämlich immer dann, wenn Termingelder freiwerden. Gegenwärtig unternehmen die Kreditinstitute aber alle Anstrengungen, um diese Gelder bei sich zu behalten, denn im Herbst dürfte es noch einmal einen gefährlichen Liquiditätsengpaß geben.

An der Börse stellt man sich deshalb auf einen Rückfall, möglicherweise wieder auf den bisherigen Tiefpunkt, ein. Aber diese Entwicklung sieht man nicht als tragisch an. Weit verbreitet ist die Auffassung, daß Aktien- und Rentenkurse schon auf der Talsohle angelangt sind und daß es – sobald es zu einer vorsichtigen Lockerung der Restriktionspolitik kommt – noch in diesem Jahr wieder aufwärts gehen wird.

Wer also jetzt an Aktien verdienen will, muß mit raschen Gewinnrealisationen bei der Hand sein, ohne Rücksicht auf die sechsmonatige Frist der Spekulationssteuer. Wen in dieser Hinsicht der Schuh drückt, ist meist in der Lage, steuermindernde Kursverluste zu produzieren, indem er Verlustpositionen, soweit sie noch nicht älter als sechs Monate sind, jetzt glattstellt. K. W.